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E-Mail-Aktion an Autohersteller

Renault: Auswertung der Antworten

1. Transparenz der Lieferketten

Renault verweist in seinem Antwortschreiben auf eine online frei verfügbare Liste der Zulieferer für den Batterieeinkauf. Wir begrüßen, dass Renault diese Informationen transparent macht und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Die Herkunftsländer des Kobalts das Renault nutzt, sind daraus ersichtlich. Über die konkreten Abbauregionen und Minen aus denen die Kobalterze stammen, finden sich auf der Seite jedoch keine weiterführenden Informationen.

Einige der genannten Schmelzen (wie Huayou und LG Chem) haben in den vergangenen Jahren aufgrund von Druck durch zivilgesellschaftliche Organisationen Maßnahmen getroffen, ihre Lieferketten transparent zu gestalten und verzeichnen Fortschritte bei der Kontrolle ihrer Lieferketten und der Einhaltung von Menschenrechten. Unter anderem ist allerdings auch die ERG (Eurasian Resources Group) gelistet, gegen die seitens zivilgesellschaftlicher Organisationen Vorwürfe erhoben werden, für Wasserverschmutzung, fehlende Beschwerdemechanismen und Umsiedlungs-Drohungen gegen die lokale Bevölkerung verantwortlich zu sein. Zudem finden sich zwei weitere Unternehmen, die sich international gegenüber Vorwürfen von Arbeitsrechtsverletzungen, Verletzungen von Sicherheits- und Gesundheitsstandards (Glencore) oder Massenentlassungen streikender Arbeiter (Freeport) verantworten müssen. Eine Übersicht über aktuelle Bemühungen der genannten Unternehmen, ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachzukommen und deren Evaluation wäre eine hilfreiche Ergänzung der Information auf der Liste. Ebenso würden wir eine klare öffentliche Positionierung hinsichtlich Kriterien / Absichten bzgl. der weiteren Zusammenarbeit mit den genannten Unternehmen begrüßen.

Auskunft über weitere Rohstoffe und Zulieferer für Batterierohstoffe finden sich nicht auf der Webseite auf die seitens Renault verwiesen wird, sodass unbeantwortet bleibt, woher beispielsweise Lithium, Kupfer, Nickel oder Seltene Erden bezogen werden. Die Bemühungen um Transparenz wirken daher vor allem reaktiv und wenig systematisch.

2. Verankerung menschenrechtlicher Sorgfalt in den Lieferketten

Wir begrüßen, dass Renault nach eigenen Angaben eine „aktive und nachhaltige Einkaufspolitik“ eingeführt hat. Wie der Antwort zu entnehmen ist, wird von allen Lieferanten die Einhaltung von dort aufgelisteten Standards verlangt. Es werden regelmäßige Prüfungen (sog. Audits) durchgeführt um die Einhaltung von Richtlinien und Aktionsplänen sicherzustellen. Nicht-Einhaltung kann auch zur Aufgabe der Vertragspartnerschaft führen.

Was nicht aus der Antwort ersichtlich ist, ist ob Prüfungen und Auswertungen durch unabhängige Dritte durchgeführt werden. Die unabhängige Prüfung ist eine notwendige Voraussetzung für die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfalt und unabdingbar für eine objektive Bewertung der realen Situation in den Abbauregionen.

Besonders relevant für die Sicherung der menschenrechtlichen Sorgfalt ist entsprechend der OECD Leitlinien die Einrichtung von niedrigschwellig zugänglichen Beschwerdemechanismen. Diese sollen der Bevölkerung und ArbeiterInnen ermöglichen, menschenrechtliche Risiken auf jeder Stufe der Lieferkette direkt ans Unternehmen zu melden.

Auf unsere Frage nach Einsatz und Art von Beschwerdemechanismen für ArbeiterInnen und die lokale Bevölkerung geht Renault in seinem Antwortschreiben leider nicht ein.

3. Initiativen zur Stärkung von ökologischen Standards und Menschenrechten

Renault ist, zusammen mit vielen Unternehmen die in der Verarbeitung von Metallen und Mineralen tätig sind, Mitglied in der RMI [gemeint ist vermutlich die „Responsible Minerals Initiative“, statt „Responsible Material“- Initiative wie in Antwortschreiben; Anm. d. Verf.]. Die Industrie-Initiative bietet ihren Mitgliedern Services zur Erforschung von Lieferketten. Die Beteiligung an einer Industrie-Initiative wie der RMI erleichtert den Unternehmen am Ende der Lieferkette die Transparenz über ihre Zulieferbetriebe herzustellen, sowie menschenrechtliche Risiken festzustellen. Die Mitgliedschaft in der Initiative allein schließt keine Menschenrechtsverstöße der Unternehmen aus, sondern deutet lediglich darauf hin, dass sich die Unternehmen einem Prüf- und Trainingsprozess (sogenannten Monitoring) unterziehen.

Renault setzt sich zudem nach eigenen Angaben für die intensivere Nutzung von Recycling-Potentialen ein. Dies kann eine wichtige Säule für den geringeren Verbrauch von Rohstoffen darstellen. Leider wird aus der Antwort nicht ersichtlich, welchen Anteil recycelte Mineralerze an der gesamten Produktion von Renault ausmachen und ob diese Aktivitäten damit erheblich zur Reduktion im Primärrohstoffverbrauch beitragen.

Renault forscht nach eigenen Angaben daran, Kobalt durch andere Rohstoffe zu ersetzen. Das ist nicht zwingend eine Lösung für menschenrechtliche und ökologische Risiken. Die Deckung des Mehrbedarfs an Nickel, der Rohstoff der die Fähigkeiten von Kobalt am ehesten bietet und damit als Substitutionsmaterial in Frage kommt, ist ebenso mit schädigenden Eingriffen in Ökosysteme und menschenrechtlichen Risiken verbunden.

4. Wirkung der Aktivitäten

Renault berichtet im Antwortschreiben nicht von Wirkungen seiner Aktivitäten bzgl. der Wahrung von Menschenrechten. In diesem Zusammenhang ist die Frage relevant, ob externe Evaluierungen die positive Auswirkung der Aktivitäten von Renault auf die menschenrechtliche Situation in den Abbauländern bestätigen würden und wie breit diese ggf. positiven  Auswirkungen sind.

5. Wo sehen wir Handlungsbedarf?

Wir begrüßen die Bemühungen seitens Renault, sich den Fragen der interessierten Öffentlichkeit zu stellen und erkennen erste Schritte zu einer transparenten Darstellung der Rohstofflieferketten. Die alleinige Betrachtung und Darstellung eines einzelnen Rohstoffes (Kobalt) ist aufgrund der tiefgreifenden Auswirkungen des Rohstoffabbaus aller Batterierohstoffe auf Mensch und Natur jedoch bei Weitem nicht ausreichend. Der Bericht über Lieferketten weiterer Industrie-Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kupfer und Seltene Erden sollte dringend in die Öffentlichkeitsarbeit der Renault-Gruppe mitaufgenommen werden.

Renault hat bereits eine Menschenrechts-Politik erarbeitet. Die Prüfung der Aktivitäten die Renault diesbezüglich tatsächlich unternimmt durch externe Dritte und die Veröffentlichung der Berichte sehen wir als wichtiges kurzfristiges Ziel zur Etablierung von transparenten Lieferketten.

Wir fordern von Renault die Einrichtung eines niedrigschwelligen Beschwerdemechanismus, der ArbeiterInnen und lokaler Bevölkerung die Meldung menschenrechtlicher Risiken ermöglicht. Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Zivilgesellschaft als Chance und nicht als Hindernis zu erkennen kann die Qualität der eigenen Lieferkette steigern.

Renault steht in seiner Herangehensweise, ähnlich wie andere Automobilunternehmen, erst ganz am Anfang der Kontrolle der eigenen Rohstoff-Lieferketten. Die intensive Nachverfolgung aller Rohstoff-Lieferketten sowie die Evaluierung der Unternehmenspolitiken und der Wirkungen von Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich / Bereich menschenrechtlicher Sorgfalt erachten wir als notwendige Voraussetzungen für ein umfassendes Lieferkettenmanagement.

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