Aufbruch durch Abbruch – Autobahnabriss in Seoul

Mobilitätswende: Best Practice

Foto: CC BY-SA 2.0

Hard-Facts:

  • Radikaler Stadtumbau im Jahr 2003: Rückbau der Autobahn, Ausbau der U-Bahn, Errichtung von Erholungsräumen, Bau von Fahrradstraßen und Fußwegen
  • Abriss von ca. 6 km Stadtautobahn für eine lebensgerechtere Stadt und bessere Lebensqualität
  • Abnahme des Autoverkehrs in der Innenstadt Seouls von 21% zwischen 2003 bis 2007
  • Zunahme der Fahrgastzahlen der städtischen U-Bahn um 14% von 2003 bis 2009

Seoul setzt ein mutiges Zeichen für die Verkehrswende - mit dem Umbau zur Stadt der BürgerInnen: Anstelle einer Totalsanierung entschied man sich in Seoul für den Abriss der städtischen Hochautobahn. Der darunter versiegelte Fluss, Cheong Gye Cheon, wurde freigelegt und ist nun die neue Lebensader der Stadt. Die marode Autobahn war bereits in bedrohlichem Zustand. Täglich mussten Pumpen Grundwasser unter den Bauwerken der Autobahn abpumpen, um Einsturz zu vermeiden. Der Bürgermeister brachte das Projekt auf den Weg und setzte den teilweisen Rückbau der Autobahn durch.

Heutzutage bietet der entstandene Raum um das Flussbett einen sozialen Treffpunkt mit Platz für kulturelle Veranstaltungen und Naherholung inmitten der Metropole. Auch die reduzierten Feinstaubbelastungen steigern die Lebensqualität der AnwohnerInnen an der ehemaligen Stadtautobahn. Brücken verbinden Nord- und Südufer des Flusses und geben die Möglichkeit, Rad- und Fußverkehr weiter auszubauen. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aus. Der Ausbau der öffentlichen Nahverkehrsmittel, von Bussen, U-Bahn-Netz und einem zirkulierenden Schnellbussystem, fängt das Verkehrsaufkommen auf. Der Erfolg ist spürbar: Vier Jahre nach Beendigung aller Baumaßnahmen am Cheong Gye Cheon ging der Autoverkehr um 21% zurück.