Gemeinschaftliche Lösungen – Kommunal und Bottom-Up

Best practice Bürgerbus - mehr als nur ein Lückenfüller

Hard Facts

  • Ehrenamtlich getragenes, bedarfsorientiertes Bussystem
  • günstige Fahrpreise
  • festen Fahrplänen
  • Verkehrsunternehmen weiterhin Inhaber der Linienkonzession

Bürgerbusse sind die Fahrzeuge sogenannter Bürgerbusvereine. Bürgerbusvereine bestehen aus ehrenamtlichen FahrerInnen, die einen kleinen Bus auf einer bestimmten Strecke zu einem abgestimmten Fahrplan fahren. Die Koordinierung der Busse erfolgt in enger Zusammenarbeit der engagierten BürgerInnen mit VertreterInnen von Kommunen und regionalen bzw. lokalen Verkehrsverbänden.

Bürgerbusse können i.d.R. maximal 8 Personen transportieren und fahren vor allem in ländlichen Gebieten, in denen wenige oder selten öffentliche Verkehrsmittel fahren. Sie sind auch dort unterwegs, wo zeitliche und räumliche Lücken in den Fahrplänen des ÖPNVs nicht den Bedürfnissen der BürgerInnen einer Region entsprechen. Bürgerbusvereine leisten einen großen Beitrag in der Anbindung vieler kleiner Orte an das Netz des öffentlichen Nahverkehrs und geben den Menschen eine konstante Alternative zum individuellen Autoverkehr im ländlichen Raum. So können die Gemeinden/Kommunen mit aktiven Bürgerbussen ein feinmaschigeres Haltestellennetz als im ÖPNV aufweisen und schließlich auch einen feinmaschigeren Fahrplan im Zusammenschluss von ÖPNV-Bürgerbus erreichen. Zielgruppe sind verstärkt ältere Menschen, die für ihre Bedürfnisse in Kreisstädte usw. fahren müssen, junge Eltern und Schulkinder, aber vor allem auch NutzerInnen des motorisierten Individualverkehrs.

Mehr als nur Lückenfüller – Bürgerbusvereine in Niedersachsen. Foto: CC BY-SA 4.0, Autor: Bürgerbus-Stefan

Die Idee, den öffentlichen Personennahverkehr kostengünstiger durch Bürger-Busse zu gestalten, konnte bereits in den 1930er Jahren in Groß-Britannien und 1977 in den Niederlanden zum ersten Mal in die Praxis umgesetzt werden. In Deutschland, genauer in NRW, entstand im Jahr 1983 das erste geförderte Pilotprojekt eines Bürger-Busses, wobei in vielen Bundesländern aktive Bürgerbusvereine die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs stärken.

Momentan gibt es allein im Bundesland NRW 123 aktive Bürgerbusvereine und etliche in Vorbereitung. Die Anschaffungen der Busse werden meist durch Zuschüsse vom Land und Kommunen finanziert. Durch den Einsatz von ehrenamtlichen FahrerInnen entstehen keine Personalkosten, die einen großen Teil der Betriebskosten im ÖPNV darstellen. Da der Bürger-Bus ausschließlich von ehrenamtlich tätigen FahrerInnen gesteuert wird, können günstige Fahrpreise angeboten werden. Der Bürger-Bus- Verkehr unterliegt als allgemein zugänglich und nach festen Fahrplänen betriebener Linienverkehr der Genehmigung nach §42 Personenbeförderungsgesetz. Demzufolge treten die örtlich zuständigen Verkehrsunternehmen bzw. -inhaber der Linienkonzession als Antragsteller und Betreiber auf. Diese sind Betreiber und verantwortlich für Betrieb, Fahrzeug und FahrerInnen. Aber auch Kommunen können Konzessionsinhaber bzw. Genehmigungsinhaber und Betreiber sein, was je nach Fall individuell ausgehandelt werden kann. Voraussetzung ist, dass sie die Bedingungen des §42 Personenbeförderungsgesetz erfüllen.

Zusammenfassend gibt das Prinzip der eigenen Organisation der Personenbeförderung durch die vielen Bürgerbusvereine auch zukünftig mittels digitaler Kommunikation neue Möglichkeiten der Vernetzung und hat großes Potenzial einer multifunktionalen Nutzung als Verknüpfung von Transport, sozialer Inklusion und Pflegeanbindung.

Selbstermächtigung verändert – Der Superblock in Barcelona

Foto: CC BY-SA 3.0, Autor: Jordiferrer

Dem hohen innerstädtischen Verkehrsaufkommen in der spanischen Stadt Barcelona konnte die Stadtverwaltung in einzelnen Stadtbereichen die Steigerung der Lebensqualität entgegensetzen. Ehemals starkbefahrene Straßenzüge wurden zu sogenannte Superblocks autofrei umgestaltet.

Kollektive Partizipation verbindet – Ein gemeinschaftliches Beispiel aus Hessen

Foto: public domain, Autor: Pwjg

Was aus einer Bürgerinitiative entstand, ist nach wenigen Jahren zu einem festen Bestandteil des Mobilitätskonzeptes einer ganzen Gemeinde gewachsen. Engagierte BewohnerInnen von Jesberg setzen sich für ihre Visionen einer mobilitätsgerechten Gemeinde ein, worauf hin nach kurzer Zeit der Verein „Vorfahrt für Jesberg e.V.“ entstehen konnte. Im Angebot stehen neben dem klassischen Car-Sharing und Lastenrädern auch ein Nachbarschaftsfahrnetzwerk und Liefer- und Abholmöglichkeiten.

nach Oben