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Zwischen Monokulturen und Agrarökologie – Kämpfe um Ernährungssouveränität in Mittelamerika

Info-Tour mit Landwirtschaftsexpert*innen aus El Salvador und Honduras

Wann: 24. September bis 8. Oktober 2016
Wo: Hamburg, Köln, Berlin, Berliner Umland
Wer: Jaqueline Chenier Golcher (Honduras), Mitbegründerin von Groundswell International in London und Víctor Sánchez (El Salvador), von der INKOTA-Partnerorganisation Procomes

Am 16. Oktober erinnert der jährliche Welternährungstag an den globalen Kampf gegen den Hunger. Die gesamten nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr sind dann schon seit mehr als zwei Monaten verbraucht. Damit ist mehr als deutlich, dass die Vorstellung von unbegrenztem wirtschaftlichem Wachstum auf einem begrenzten Planeten nicht haltbar ist. Trotzdem breitet sich in vielen Regionen der Welt, so auch in Mittelamerika, die ressourcenfressende Zuckerrohr-, Palmöl- und Obstplantagenindustrie weiter aus. Um die Märkte im globalen Norden beliefern zu können, verdrängt sie im globalen Süden Kleinbauern und Kleinbäuerinnen von ihrem Land. Es entstehen großflächige Monokulturen, auf denen mit hohem Chemikalieneinsatz auf Kosten der Natur und der menschlichen Gesundheit Nahrungsmittel erzeugt werden.

Einen umweltverträglichen und nachhaltigen Gegenentwurf zum industriell geprägten Landwirtschafts- und Ernährungssystem bietet die Agrarökologie. Die wird bereits von vielen kleinbäuerlichen Erzeuger*innen in Mittelamerika und in anderen Regionen der Welt angewendet. Im Mittelpunkt der Agrarökologie steht die Idee, für die Erzeugung von Lebensmitteln vor allem lokal vorhandene Ressourcen möglichst optimal zu nutzen und auf die Nutzung externer Inputs weitestgehend zu verzichten.

Das Konzept der Ernährungssouveränität bildet den übergeordneten alternativen Ansatz zum dominanten industriellen Modell von Landwirtschaft und Ernährung. Es beinhaltet unter anderem eine radikale Demokratisierung – das Recht der Länder, Regionen und Menschen über ihre Ernährungssysteme selbst zu bestimmen. Die beiden Ansätze ergänzen sich gegenseitig: Agrarökologie ist die landwirtschaftliche Praxis, um Ernährungsouveränität zu erreichen.

Zwischen dem 24. September und dem 8. Oktober 2016 sind Jaqueline Chenier Golcher aus Honduras und Víctor Sánchez in Deutschland zu Gast. Jaqueline Chenier Golcher ist Mitbegründerin von Groundswell International in London, einer Organisation, die ländliche Gemeinschaften und nachhaltig Landwirtschafts- und Ernährungssysteme unterstützt. Víctor Sánchez setzt bei der INKOTA-Partnerorganisation Procomes aus El Salvador Projekte zur Ernährungssouveränität in ländlichen Gemeinden um.

Bei Veranstaltungen in Hamburg, Köln sowie Berlin und Umgebung berichten sie aus der Theorie, was Ernährungssouveränität für Akteure der Zivilgesellschaft in Mittelamerika bedeutet, und beleuchten anhand von Fallbeispielen aus ihren Projekten, wie Agrarökologie in der Praxis umgesetzt wird. Víctor Sánchez berichtet vor allem über ein Projekt in 17 ländlichen und drei urbanen Gemeinden El Salvadors, das den beteiligten Familien einen Ausweg aus ihrer unsicheren Ernährungslage bietet. Dabei geht es immer wieder auch um die Frage, wie wir die Erfahrungen aus Lateinamerika, der Ursprungsregion des „bäuerlichen Weges“ (La Via Campesina) hier aufnehmen können, um das Leben auch in urbanen Räumen ernährungssouveräner zu gestalten.

Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern zeigen wir unterschiedliche Möglichkeiten der Einflussnahme auf, um zum Beispiel urbane Landwirtschaft oder den Aufbau von Ernährungsräten zu unterstützen und damit Ernährungssouveränität in unserem direkten Umfeld zu stärken.

Termine & Veranstaltungen

  • 26.9.2016 - Brandenburg an der Havel
    Ernährungssouveränität für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in El Salvador. Veranstaltung mit dem Naturschutzzentrum Krugpark und dem Weltladen Brandenburg. Umweltpyramide, Naturschutzzentrum Krugpark, Wilhelmsdorf 6E, 14776 Brandenburg an der Havel. 19-21 Uhr.
    Flyer zur Veranstaltung (PDF, 350 KB)

  • 27.9.2016 - Eberswalde
    Den Hunger besiegen. Ernährungssouveränität für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in El Salvador. Evangelische Jugend Bernau und Eberswalde. Gemeindehaus der Evangelischen Stadtkirchengemeinde, Kirchstraße 6, 16225 Eberswalde. 17.30-19 Uhr.

  • 28.09.2016 – Berlin
    Von den Anden bis ins Allgäu. Wie Kleinbauern weltweit für den Erhalt alter Sorten kämpfen. Veranstaltung in Kooperation mit Ethiquable, Meine Landwirtschaft, Oikocredit und AbL. Prinzessinnengärten, Prinzenstr. 35–38, Prinzessinnenstr. 15 in 10969 Berlin. Ab 14 Uhr.
    Flyer zur Veranstaltung (PDF, 179 KB)

  • 1.10.2016 - Berlin
    2. Wir Haben es satt!-Kongress, AG 13: Zwischen Monokulturen und Agrarökologie - Kämpfe um Ernährungssouveränität in Mittelamerika. Workshop mit den beiden Referent*innen und Benjamin Luig von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Jan Urhahn vom INKOTA-netzwerk. Emmaus-Kirche, Lausitzer Platz 8a 10997 Berlin-Kreuzberg. 11:30-13:30 Uhr.

  • 2.10.2016 - Berlin
    Stadt-Land-Food-Festival, Speakers Corner vom Ernährungsrat Berlin, mit Jacqueline Chemier Golcher. Zwischen 12:30 und 14:30 Uhr.

  • 2.10.2016 - Eberswalde-Finow
    Erntedank-Gottesdienst in der Evangelischen Kirchgemeinde Finow. Víctor Sánchez spricht im Gottesdienst über seine Arbeit in dem von INKOTA finanzierten Projekt in 17 ländlichen und 3 städtischen Gemeinden im Osten El Salvadors. Friedenskirche Finow, Eberswalder Straße 70a, 16227 Eberswalde-Finow, 10:30 Uhr.

  • 4.10.2016 - Köln
    Kleinbäuerliche Agrarökologie gegen die Expansion industrieller Monokulturen. Expert*innen aus Mittelamerika berichten vom Kampf um Ernährungssouveränität. Veranstaltung in Kooperation mit Taste of Heimat e.V. und mit Valentin Thurn vom Ernährungsrat Köln und Taste of Heimat., Allerweltshaus, Körnerstr. 77-79, 50823 Köln. 19:30-21:30 Uhr.
    Flyer zur Veranstaltung (PDF, 477 KB)

  • 5.10.2016 - Hamburg
    Kleinbäuerliche Agrarökologie gegen die Expansion industrieller Monokulturen. Expert*innen aus Mittelamerika berichten vom Kampf um Ernährungssouveränität. Veranstaltung in Kooperation mit Tomatenretter e.V. und mit Prof. Dr. Harald Lemke, Philosoph und Urban-Gardening-Aktivist. Markthof, Marktstr. 102, Karolinenviertel, 20357 Hamburg. 18:30-20:30 Uhr.

  • 6.10.2016 - Berlin
    Kleinbäuerliche Agrarökologie gegen die Expansion industrieller Monokulturen. Expert*innen aus Mittelamerika berichten vom Kampf um Ernährungssouveränität. Veranstaltung in Kooperation mit dem FDCL Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile/Lateinamerika und den Lateinamerika-Nachrichten. "Blauer Salon" im Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin (Aufgang III, 1.Stock links (direkt über dem Theater). 18:30-20:30 Uhr.
    Flyer zur Veranstaltung (PDF, 473 KB)

Víctor Sánchez hat an der Universität Dr. Andrés Bello in El Salvador einen Abschluss in Agrarökonomie und Zusatzstudien unter anderem in den Bereichen Aquakultur, nachhaltige Boden- und Wassernutzung, Ernährungssicherheit bei Katastrophen und nachhaltiger Landwirtschaft gemacht. Er arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren in Projekten ländlicher Entwicklung im Osten von El Salvador. Seit etwa 15 Jahren koordiniert er dort die ländlichen Entwicklungsprojekte der Nichtregierungsorganisation Procomes im Bezirk Usulután.

Procomes: Ernährungssouveränität für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in El Salvador

Procomes entstand 1988 und ist mit etwa 60 Mitarbeiter*innen heute eine der größten und erfahrensten Nichtregierungsorganisationen in El Salvador. Procomes arbeitet nicht ausschließlich auf dem Land, die Förderung von Ernährungssouveränität kleinbäuerlicher Gemeinden ist aber einer ihrer Arbeitsschwerpunkte.

INKOTA unterstützt seit mehr als zehn Jahren die Arbeit von Procomes in den beiden Landkreisen Berlín und Alegría im Osten El Salvadors. Im aktuellen Projekt geht es um die Förderung von Ernährungssicherheit, Ernährungssouveränität, Einkommensschaffung, Katastrophenschutz und Klimawandelanpassung. Zu diesem Projekt gehört unter anderem der Aufbau einer Saatgutbank, die die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen von teurem industriellen Saatgut unabhängiger machen soll, und der Bau einer Weiterverarbeitungsanlage für die Obst- und Gemüseproduktion aus den 17 ländlichen Gemeinden des Projekts. Erstmals wird in drei Stadtvierteln der beiden Kreisstädte Berlín und Alegría auch urbane Landwirtschaft gefördert, vor allem der Anbau von Obst und Gemüse.

Mehr zu INKOTAs Arbeit mit Procomes

Jacqueline Chenier Golcher ist Expertin für Ernährungssouveränität und arbeitet seit über 20 Jahren als Beraterin und als Koordinatorin für Projekte ländlicher Entwicklung in Honduras und Guatemala. 2011 gründete sie gemeinsam mit weltweit agierenden Partner*innen Groundswell International und ist dort immer noch als Aktivistin engagiert. An der Universität Wageningen in den Niederlanden forscht sie aktuell im Rahmen ihrer Doktorarbeit zu Ernährungssouveränität und vergleicht die industrielle mit der kleinbäuerlichen Verarbeitung von Zuckerrohr in Honduras, Guatemala und El Salvador. Hier beschäftigt sie sich unter anderem mit der Systemkonkurrenz zwischen dem dominanten auf Monokulturen basierenden Exportmodell und agrarökologischen Ansätzen. Dabei legt sie besonderes Augenmerk auf alternative Erzeugungsprozesse, die primär die Bedürfnisse der kleinbäuerlichen Erzeuger*innen in den Fokus setzen. Im Norden von Honduras unterstützt sie die ländliche Bevölkerung beim Aufbau landwirtschaftlicher Erzeugungs- und Verarbeitungskapazitäten, um sich damit aktiv der Palmölexpansion des Agribusiness zu widersetzen. Ihren Master in Ländlicher Entwicklung und Internationaler Landwirtschaft absolvierte sie an der Cornell University in den USA.

Groundswell International: Stärkung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen weltweit

2009 wurde Groundswell International als eine globale Partnerschaftsorganisation gegründet. Die Organisation möchte die Bewegungen von kleinbäuerlichen Erzeuger*innen unterstützen, um so Hunger und Armut zu bekämpfen und sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Dafür unterstützt Groundswell International die Verbreitung von agrarökologischen Praktiken, fördert den Austausch von Best-Practice-Methoden zwischen kleinbäuerlichen Erzeuger*innen und trägt dadurch zur Umsetzung des Konzepts der Ernährungssouveränität in marginalisierten ländlichen Gebieten weltweit bei. Groundswell International arbeitet in zehn verschiedenen Ländern an der Erreichung dieser Ziele.

Mehr Informationen zu Groundswell International finden Sie in englischer Sprache unter http://www.groundswellinternational.org/.

Hinweis

Diese Aktivität wurde mit finanzieller Unterstützung von Brot für  die Welt – Evangelischer Ent- wicklungsdienst, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Berliner Senats, von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Europäischen Union gefördert. Für den Inhalt der Aktivität ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Stand- punkt des/der Zuwendungsgeber wieder.