Gemeinsam eine Lösung finden: Versammlung von Kleinbäuerinnen in Nampula
Projekte & Länder

Harte Arbeit, wenig Anerkennung

Viele Frauen in den ländlichen Gebieten Mosambiks sind stark benachteiligt

von Christine Wiid
Veröffentlicht 15. DEZEMBER 2023

Im Norden Mosambiks sind die meisten Familien matrilinear organisiert. Die Zugehörigkeit wird entlang der mütterlichen Linie definiert und weitergegeben. Das klingt nach Macht und Einfluss für die Mütter, doch so ist es nicht.

„Die Frau bleibt in der Nähe ihres Elternhauses und ihrer Familie. Der Ehemann zieht zur Familie der Frau. Falls das Paar sich trennt oder der Vater stirbt, verbleiben die Kinder bei der Mutter und ihrer Familie. Meist übernehmen dann männliche Verwandte der Mutter die Verantwortung und bestimmen über Geld und Ausgaben. Das kann zum Beispiel ein Bruder oder Onkel der Frau sein. Der biologische Vater spielt für die Kinder keine große Rolle mehr, wenn überhaupt.“

Sidonia Barotte, Projektkoordinatorin bei der INKOTA-Partnerorganisation AMDER

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Gleichzeitig gelten viele Töchter den Familien als Last. Die Mädchen werden häufig früh aus der Schule genommen und sehr jung verheiratet, manche schon mit 12 oder 13 Jahren. Dazu trägt bei, dass es in vielen ländlichen Gemeinden nur Grundschulen gibt, die nach der 5. Klasse enden. Für eine weiterführende Schulbildung müssten die Kinder in weit entfernte Distrikthauptorte fahren. Diesen Aufwand können oder wollen viele Bäuerinnen und Bauern nicht auf sich nehmen. Sie selbst sind oftmals auch nur ein paar Jahre zur Schule gegangen.

Das Land der Familien wird in den matrilinearen Gemeinden zwar häufig auf den Namen der Frau registriert. Das heißt jedoch nicht, dass die Frau auch über das Land bestimmen kann. „Wirtschaftliche Entscheidungen werden meist von Männern gefällt. Auch wenn es die Frauen sind, die Nahrungsmittel anbauen, entscheiden die Männer über das Einkommen aus der Landwirtschaft“, sagt Sidonia Barotte. Viele Frauen müssten dann mit dem wenigen Geld zurechtkommen, das die Männer ihnen für den Haushalt überließen. „Wasser holen, Nahrungsmittel anbauen, Kochen, der Kauf von Kleidung, Schulheften oder Medikamenten für die Kinder –  darum kümmern sich fast ausschließlich die Frauen und Mütter“, erklärt die Projektkoordinatorin. Schon seit vielen Jahren ist sie in den Distrikten Ribaue und Malema tätig.

Sidonia Barotte setzt sich dafür ein, dass die Frauen ihre Rechte kennen, sowohl für die Landnutzung, als auch innerhalb der Familie. So kann es den Frauen gelingen, sich aus der Abhängigkeit der männlichen Familienmitglieder zu befreien. Einige Frauen bebauen mittlerweile ein eigenes Stück Land, ohne die Ernte – und das Einkommen – mit den Ehemännern zu teilen. Mit dem Verkauf der Überschüsse, beispielsweise Mais oder Gemüse, ermöglichen sie sich finanzielle Unabhängigkeit. „Solche Einnahmen sind für die Frauen sehr wichtig. Damit verbessert sich ihre Lage merklich“, sagt Sidonia Barotte. Auch die Produktion von Honig, Trockenfrüchten oder selbstgeflochtenen Körben tragen dazu bei, die extreme Armut der Familien zu reduzieren. „Die Traditionen auf dem Land sind sehr stark. Veränderungen brauchen eine lange Zeit“, erklärt die Koordinatorin. In den Städten haben sich die Rollenverhältnisse bereits gewandelt. Sidonia Barotte ist selbst ein Beispiel dafür. Inzwischen wird sie auch von den Bauern in den Gemeinden respektiert und gibt auch den Männern Rat zu landwirtschaftlichen Fragen. Nun ist es Zeit, auch auf dem Land mehr Rechte und Teilhabe der Mädchen und Frauen zu erwirken und alte Traditionen neu zu verhandeln.

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