Ein Kaffebauer in Guatemala erntet Kaffekirschen von Hand
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Pestizide im Kaffee

Neue INKOTA-Studie zeigt Ausmaß des massiven Pestizideinsatzes im Kaffeeanbau

von Silke Bollmohr
Veröffentlicht 24. JUNE 2026

Kaffee gehört mittlerweile zu den Kulturpflanzen, die am meisten Pestizide benötigen. Pro Hektar wird er mit mehr Pestiziden behandelt als Mais oder Soja. Und damit nicht genug: Mehr als die Hälfte der im Kaffeeanbau eingesetzten Pestizide sind in der EU verboten, werden aber dennoch weiterhin in die Anbauländer exportiert und verwendet. In unserer gemeinsamen Studie mit Coffee Watch, Pesticide Action Network UK und Deutscher Umwelthilfe zeigen wir welche Auswirkungen der Pestizideinsatz im Kaffeeanbau mittlerweile hat und was seine Folgen sind.

Wichtigste Ergebnisse im Überblick

  • Pestizidrückstände auch in unserem Kaffee, auch Mischungen aus mehreren hochgefährlichen Pestiziden
  • 159 unterschiedliche Pestizidwirkstoffe werden in den wichtigsten Kaffeeerzeugerländern bei der Produktion eingesetzt
  • 60 Prozent der im Kaffeeanbau eingesetzten Pestizide sind als hochgefährliche Pestizide (HHP) eingestuft
  • 59 Prozent der eingesetzten Pestizide sind in der Europäischen Union verboten
  • Arbeiter sind Pestiziden oft schutzlos ausgesetzt, in der Dominikanischen Republik gaben 87 Prozent der Landwirt*innen an, keine Masken oder Handschuhe zu tragen
  • die Folge sind ernsthafte Erkrankungen der Arbeiter*innen, Bäuerinnen und Bauern bis hin zum Tod
  • Glyphosat wird nach wie vor häufig eingesetzt
  • Auch die ökologischen Auswirkungen sind schwerwiegend: Arten sterben, Gewässer und Böden werden verschmutzt

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Ausufernder Pestizideinsatz statt ökologisch verträglichem Kaffeeanbau

Allein in Brasilien, Kenia und Kolumbien sind mindestens 159 Wirkstoffe für den Kaffeeanbau zugelassen, die Mehrheit davon sind hochgefährliche Pestizide. Es handelt sich um Wirkstoffe, die Krebs, Hormonstörungen, Fortpflanzungsschäden und neurologische Erkrankungen verursachen können. Der Klimawandel verschärft die Krise: Vor 50 Jahren wurden Kaffeebäuerinnen und -bauern durch staatliche Förderprogramme gedrängt auf ertragreichen Sonnenanbau umzustellen. Heut wird nur noch weniger als ein Viertel des Kaffees weltweit im Schatten angebaut. Pflanzen, die in der Sonne wachsen, sind jedoch mehr auf Pestizide und Düngemittel angewiesen. Sonnenanbau laugt den Boden kontinuierlich aus und verstärkt die Abhängigkeit von Pestiziden und Düngemitteln. Ein Teufelskreis, der durch den Klimawandel weiter verschärft wird.

Zu wenig Schutz vor Vergiftungen für Kaffeebauernfamilien

Die Bäuerinnen und Bauern sind den gefährlichen Stoffen, die mehrfach pro Saison auf den Kaffeeplantagen ausgebracht werden, meist schutzlos ausgesetzt. Mit verheerenden Folgen für Menschen und Umwelt: Im brasilianischen Kaffeeanbaugebiet Minas Gerais Gerais — mit rund 120.000 Kaffeebetrieben — berichten 59% der Arbeiter*innen von akuten Pestizidvergiftungssymptomen. Die offiziellen Behördenstatistiken verzeichnen für die gesamte Region in demselben Jahr nur 817 Fälle. Kaffeebäuerinnen und -bauern sind den Pestiziden kontinuierlich ausgesetzt. Die Folgen reichen von akuten Vergiftungen bis zu Krebs, neurologischen Erkrankungen und Fortpflanzungsschäden. Besonders gefährdet sind Kinder und Schwangere. Dabei bleiben bis zu 88 Prozent der Fälle undokumentiert.

Pestizidrückstände auch in deutschen Kaffeetassen

Am Ende kommen die Pestizidrückstände auch wieder in unseren Kaffeetassen an: Kaffeeproben enthalten regelmäßig Pestizidrückstände, auch wenn Kaffee nur unregelmäßig überprüft wird. 2022 testeten EU-Behörden gerade einmal 44 Proben. 23 Prozent enthielten in der EU verbotene Pestizide. Damit landet Kaffee auf Platz zwei der am stärksten kontaminierten Lebensmittel, hinter Tee. INKOTA setzt sich schon lange für ein Exportverbot von in der EU verbotenen Pestiziden ein. Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition  an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, damit diese gefährliche Praxis endlich der Vergangenheit angehört.

Kaffeeanbau muss weg von Pestiziden hin zu Agrarökologie

Eine gute Nachricht: Es gibt Lösungen für die Pestizidkrise im Kaffeeanbau – das gesamte System muss sich ändern. Agrarökologie, Agroforstwirtschaft, biologische Schädlingsbekämpfung und diversifizierte Anbausysteme können gemeinsam den Pestizideinsatz senken und gleichzeitig Erträge und Bodengesundheit verbessern. Es braucht den Willen von Politik und Unternehmen, Kaffeebäuerinnen und -bauern dabei zu unterstützen.

Mitmach-Aktion

Kein Gift auf Acker und Teller

In der EU verbotene Ackergifte werden weiterhin in Ländern des Globalen Südens exportiert. Auf Bananen, Mangos und in Gewürzen landen sie wieder bei uns auf dem Teller. Unterschreiben Sie jetzt für einen Stopp gefährlicher Ackergifte!

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