Schmutziger Glanz
Ob Staaten, Banken oder Privatpersonen – Gold ist enorm begehrt. Sein Abbau und der Handel damit birgt jedoch gravierende Probleme.
Gold wird vor allem als Schmuck, Wertspeicher oder Investment genutzt. Nur ein Bruchteil des Edelmetalls wird für industrielle Zwecke wie Elektrotechnik verwendet. Da Gold ohne Qualitätsverlust recycelbar ist, wäre eigentlich gar kein weiterer Goldbergbau nötig, der in der Regel für die betroffenen Gebiete sehr schädlich ist. Doch die Nachfrage ist ungebrochen hoch.
Ob auf gekrönten Herrscherhäuptern, bei der Ausbeutung von Kolonien oder beim spektakulären Diebstahl der Münze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum in Berlin im März 2017: Gold spielt in Geschichte und Gegenwart immer wieder eine bedeutende Rolle. Selbst bei der Mondlandung war das Edelmetall dabei, etwa an Elektrosteckern und als Blendschutz-Beschichtung an Astronautenhelmen.
In Afrika und Südamerika beflügelte Gold die Expeditionen europäischer See- und Kolonialmächte, insbesondere von Spaniern und Portugiesen in Peru, Bolivien und Brasilien im 16. Jahrhundert. Die Gier wurde kaschiert mit religiösen Motiven der Missionierung. So haben die spanischen Konquistadoren wochenlang sakrale und Kunstgegenstände aus dem Inkareich zum leichteren Transport eingeschmolzen und auf ihren Galeonen verschifft. Einige wurden unterwegs Beute von Piraten und Freibeutern. Was heute noch an Goldexponaten aus jener Zeit in Museen in Lateinamerika zu sehen ist, ist den Konquistadoren nur durch Glück oder Zufall entgangen. In Europa diente das Gold derweil dazu, Kriege und die Industrialisierung zu finanzieren.
Dass Gold so beliebt ist, liegt auch an seinen stofflichen Eigenschaften. Das Edelmetall ist beständig gegenüber Wasser und Luft, korrodiert und oxydiert nicht, wird auch von Säuren nicht angegriffen und reflektiert Infrarot-Strahlung. Es ist ziemlich weich, daher leicht zu formen, aber muss zur Verarbeitung in Schmuck, Zahn oder Elektrotechnik durch eine Legierung, etwa mit Kupfer, gehärtet werden. Ein Ehering besteht daher nicht aus reinem Gold, sondern nur zu mindestens einem Drittel, um in Deutschland als Goldschmuck zu gelten (333er Gold). Auch ist Gold extrem dünn verarbeitbar, leitet Elektrizität und ist daher auf Platinen in Handys und PCs zu finden. Ein Gramm Gold kann einen Faden von fast vier Kilometern Länge oder einen halben Quadratmeter Blattgold ergeben. Eine weitere wichtige Eigenschaft von Gold ist, dass es beliebig oft recycelbar ist – ohne jeglichen Qualitätsverlust.
Für stabile Währungen wird Gold nicht mehr gebraucht
Rund die Hälfte des geförderten Goldes geht in Schmuck, ein Viertel kaufen Zentralbanken auf, ein Fünftel dient als Investment. Ein immer geringerer Teil (nur noch etwa sechs Prozent) wird für Technik benötigt. Zunehmend werden Alternativmaterialien genutzt oder aus Kostengründen möglichst wenig Gold verwendet. Da aber gut ein Drittel der Menge geförderten Goldes durch Recycling gewonnen wird, lässt sich bereits heute ein Vielfaches des technischen Bedarfs durch wiedergewonnenes Gold decken.
Nicht immer aber erfolgt das Recycling umweltgerecht und werden ausreichende Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt. Denn auch hier gibt es die Verlockung des Geldes in Form von Umweltbetrug. Selbst unter höchst fragwürdigen Umständen aus Elektroschrotthalden in Afrika oder Asien gewonnenes Gold kann als Recycling-Gold bezeichnet werden. Das Gleiche gilt für illegales Gold, das grob zu Pseudo-Schmuck verarbeitetet wird, um es als Altgold auszugeben und das dann etwa über Dubai nach Europa gelangt.
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Ich bin dabei!Wenn von staatlichem Goldbesitz die Rede ist, denken viele Menschen noch immer an Währungssicherung. Die USA lagern und bewachen, so weiß man spätestens seit James Bond und Goldfinger, Gold in Fort Knox. Mit 8.133 Tonnen sind die USA der größte staatliche Goldbesitzer. Es folgt die Bundesbank mit 3.350 Tonnen. Weitere 9.034 Tonnen befinden sich in deutschem Privatbesitz, davon 5.229 Tonnen als Barren und Münzen sowie 3.805 Tonnen als Schmuck. Mit 2.252 Tonnen rangiert Italien an dritter Stelle, noch vor Russland, China und Indien. Schon diese Zahlen zeigen, dass es längst nicht mehr um Währungssicherung geht.
Seit dem Ende des sogenannten Bretton-Woods-Systems 1971 spielt Gold im Weltwährungssystem nämlich keine Rolle mehr. Bis dahin war der US-Dollar seit 1944 Leitwährung mit einem festen Wechselkurs von 35 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), den die USA durch ihre Goldbestände und die Verpflichtung, Dollar jederzeit gegen Gold zu tauschen, garantierten.
Seit der Freigabe des Wechselkurses kennt der Goldpreis vermeintlich nur eine Richtung. Besonders in den vergangenen Jahren ist er heftig gestiegen. Gold gilt als Krisenwährung und dient als Investitions- und Spekulationsobjekt für jene, die es sich leisten können. Nicht zuletzt die von Händlern bestärkte Angst, den weiteren Preisanstieg zu verpassen (FOM – Fear of Missing Out), heizte privaten Golderwerb weiter an. Wer allerdings Ende Januar dieses Jahres gekauft hat, als sich Gold auf einem Allzeithoch von rund 5.500 US-Dollar pro Feinunze befand, musste erst einmal heftige Verluste einfahren. Denn bis Mitte Juli fiel der Goldpreis wieder auf unter 4.000 US-Dollar.
Die Goldgewinnung sorgt für massive Umweltprobleme
Bei all diesen Überlegungen fällt fast immer unter den Tisch, woher das Gold kommt und unter welchen Umständen es gewonnen und gehandelt wird. Am besten schaut man also erst einmal dorthin, wo Gold zu finden ist. Mit großem Aufwand wird es entweder in Gruben oder Bergwerken aus der Erde geholt sowie entlang von Flüssen abgebaut (alluvial). Bei bergmännischer Förderung gibt es zwei Grundformen: untertage, also unter der Erdoberfläche, oder im Tagebau, in teils riesigen offenen Gruben an der Erdoberfläche.
Der alluviale Abbau an Flüssen kann handwerklich mit relativ einfachem Werkzeug erfolgen oder aufwendiger, etwa mit Schwimmbaggern. Im handwerklichen oder artisanalen Kleinbergbau wird gesiebtes Gestein meist mit Quecksilber weiterbehandelt. Beim Untertagebau wird es hingegen durch Sprengungen und Presslufthämmer gelöst, an die Erdoberfläche gebracht, dort zerkleinert, zermahlen und meist mit Zyanid behandelt. Bei den tiefsten Goldbergwerken der Welt in Südafrika arbeiten die Bergleute bis in vier Kilometern Tiefe, wo das Gestein 60 und die Luft 55 Grad heiß ist, so dass man es aufwendig auf 30 Grad herunterkühlen muss. Offener Tagebau, ist für die meist internationalen Bergbaufirmen wesentlich einfacher, auch wenn die Gruben hunderte Meter tief sind.
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Beim Untertagebau bleibt die Erdoberfläche meist weiter nutzbar, ob für Häuser, Straßen oder Landwirtschaft, wie wir das vom früheren Steinkohleabbau im Ruhrgebiet kennen. Beim offenen Tagebau ist das nicht der Fall, Oft bleiben riesige sogenannte Mondkrater zurück, die nicht renaturiert werden (können). Dann ist die Landschaft auf lange Sicht zerstört, der Boden nicht mehr zu gebrauchen, etwa für nachhaltige Landwirtschaft.
Im Großbergbau wird zermahlenes Erzgestein mit einer Natriumzyanidlauge beträufelt, um auch kleinste Mengen Gold herauszulösen. Auch wenn man sich zunehmend um geschlossene Kreisläufe bemüht, gibt es immer wieder Austritte der Laugen und große, mit Plastikfolie ausgeschlagene Abwasserbecken mit weiteren Giften wie Arsen, die undicht werden und Oberflächen- oder Grundwasser kontaminieren können.
Dramatisch sind Dammbrüche solcher Becken, wie etwa im rumänischen Baia Mare Anfang 2000. Dort gelangten 100.000 Tonnen zyanid- und schwermetallhaltiges Abwasser einer Golderzaufbereitungsanlage in die Theiss und flossen von dort über die Donau bis ins Schwarze Meer. Für Anrainer*innen von Ungarn bis Bulgarien musste teils die Trinkwasserversorgung unterbrochen werden. 1.400 Tonnen Fische verendeten sowie Reiher, Kormorane, Otter und andere Tiere, die durch kontaminierte Beute umkamen. Es war die größte Umweltkatastrophe Osteuropas nach Tschernobyl. Niemand wurde belangt, niemand entschädigt.
Zyanid ist das Salz der Blausäure. Es blockiert die Sauerstoffaufnahme ins Blut und führt zu innerem Ersticken. An der Luft ist es zwar abbaubar, kontaminiert aber Wasser und Boden, auch Beton. Ozon könnte es neutralisieren, ist aber teuer.
In Kratern des offenen Tagebaus bildet sich durch Regen Schwefelsäure, die man aus Autobatterien kennt, und dringt ins Grundwasser ein. Krater einfach zuzuschütten mit dem kontaminierten Abraum oder – wie bei den ehemaligen Kohlegruben in Sachsen – mit Wasser zu Freizeit-Seen aufzufüllen, ist hier nicht möglich.
Im Kleinbergbau wird eher mit Quecksilber amalgamiert. Dann wird zum Beispiel goldhaltiger Sand mit Quecksilber vermengt und teils mit bloßen Händen oder Füßen geknetet. In der Folge verbinden sich Gold und Quecksilber, anschließend wird dieses Amalgam erhitzt. Da Gold eine weitaus höhere Siedetemperatur als Quecksilber hat, verdampft letzteres und Gold bleibt übrig. Eine einfache und relativ kostengünstige Methode, die bereits mit einer Dose und einem Bunsenbrenner funktioniert. Allerdings ist vor allem das Einatmen der Dämpfe giftig. Durch Verschütten und Resteentsorgung gelangt zudem Quecksilber in Böden und Gewässer. Pflanzen und Trinkwasser werden so kontaminiert und in Fischen, an Flüssen oft Hauptnahrung der Anwohner*innen, bildet sich gesteigert toxisches Methylquecksilber. Quecksilber reichert sich im Körper der Menschen an. Es wird von Schwangeren ans Kind weitergegeben. Es ist neurotoxisch, schädigt das Nervensystem und Gehirn.
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jetzt lesenQuecksilber baut sich nicht einfach in der Natur ab. Global ist (Klein-)Goldbergbau die Hauptquelle der Quecksilberkontamination der Umwelt, noch vor der Kohleverstromung, Müllverbrennung und Zementherstellung. Weltweit stammen laut Schätzungen mehr als zwanzig Prozent des gehandelten Goldes aus legalem oder illegalem Kleinbergbau. Insofern hat Gold in der Regel mit diesen Problemen zu tun.
Die Lieferkette ist schwer nachzuvollziehen
Bislang ist es nicht möglich, die Herkunft der Anteile von eingeschmolzenem Gold zu ermitteln. Daher ist auch die Lieferkette für ein Goldobjekt am Material nicht verbindlich nachzuvollziehen. Alternative Goldhändler beziehen Gold aus ihnen bekannter Quelle und müssen sich darauf verlassen, dass kein anderes Gold beigemischt wird.
An Flüssen wie dem Amazonas unterspülen Goldsucher mit Hochdruckpumpen den Regenwald und vernichten ihn großflächig, um an goldhaltigen Sand zu kommen. Dabei vertreiben sie indigene Menschen widerrechtlich aus ihrem Lebensraum. Fliegende Flüsse fallen aus. So nennt man aus dem Regenwald aufsteigende Verdunstungswolken, die bis in die argentinische Pampa ziehen und dort das Gras für Rinderherden befeuchten. Auch die regulierende Funktion des Regenwalds für das Weltklima ist bereits gefährdet.
Zudem sind die Arbeitsbedingungen im Goldbergbau oft problematisch. So erkennen Bergbaufirmen selten Berufskrankheiten etwa der Lunge an. Unfälle untertage durch Verschütten, Explosionen oder Feuer kosten immer wieder Bergleute das Leben. Kleinschürfer kriechen in ungesicherte Löcher oder alte Stollen, etwa in der DR Kongo. Im Kleinbergbau gibt es Schuldknechtschaft, Drogengeldwäsche, Zwangsprostitution, Organisierte Kriminalität. Bergbaukritiker*innen werden kriminalisiert, bedroht, sogar ermordet. Im Sudan finanzieren sich Warlords und Kriegsparteien aus Goldminen, die sie kontrollieren. Das sogenannte Blutgold landet über die Vereinigten Arabischen Emirate auch in Deutschland.
Wirklich nachhaltigen Goldbergbau kann es nicht geben
All diesen Problemen soll ein vermeintlich nachhaltiger Goldbergbau Abhilfe schaffen. Der Begriff kann das Interesse verschleiern, die weitere Ausbeutung von Minen zu rechtfertigen, und wird zu inflationär verwendet. Die UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung hat 1987 nachhaltige Entwicklung so definiert, dass sie die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Chancen künftiger Generationen zu gefährden. Kurz gesagt ist eine nachhaltige Entwicklung also „enkeltauglich“.
Wenn man aber Gold aus einem Berg oder Fluss holt, ist es „ausgebeutet“, also nicht mehr verfügbar für künftige Generationen. Das Argument, es sei ja noch irgendwo vorhanden, in einem PC oder einem Banktresor, kann nur eingeschränkt gelten, zumal es als Goldbarren insbesondere dem Zweck der Spekulation dient. Vor allem ist der vorangegangene Abbau, der mit der Vergiftung von Flüssen, Böden, Tieren, Menschen sowie der dauerhaften Zerstörung von Natur und Lebensgrundlagen einhergeht, alles andere als nachhaltig.
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Auch sogenanntes grünes oder ökologisches Gold gibt es auf den Märkten zu kaufen. Außer in sehr seltenen geologischen Sondersituationen ist es jedoch nicht möglich, Gold ökologisch unbedenklich zu gewinnen. Wenn vertrauenswürdig zertifiziertes Gold angeboten wird, ist das freilich besser als Gold unbekannter Herkunft. Meist wird den Erzeugern ein Preis garantiert und eine Prämie für Sozial- oder Bildungsprojekte gezahlt. Aber auch dieses Gold wird weder benötigt noch unbedingt giftfrei gewonnen und ist, wenn auch etwas abgefedert, Teil des Goldhandelssystems. Und es lockt Menschen in den Goldbergbau, statt langfristig wirklich nachhaltige Berufstätigkeiten zu schaffen.
Die ökologischen, gesundheitlichen und menschenrechtlichen Kosten des Goldabbaus verlagert der Globale Norden wie auch bei anderen Rohstoffen in die fernen Erzeugerländer. Auch in Deutschland gab es lange Zeit Goldbergbau, davon zeugen Schaubergwerke wie Rammelsberg/Goslar oder Goldkronach. Der Abbau wäre heute aber teuer und, auch aufgrund strengerer Umweltvorschriften, sehr aufwendig.
Von dem in der Geschichte insgesamt schon über 210.000 Tonnen aus der Erde geholten Gold liegt ein Großteil nutzlos als Barren in den Tresoren der Welt herum.
Doch auch Menschen ohne Anlageportfolio haben Gold zu Hause. Nach Berechnungen der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) stecken in einem Smartphone, das circa 170 Gramm wiegt, 0,0063 g Gold. Dessen Goldgehalt ist damit 17-mal so hoch wie der von Golderz, das durchschnittlich drei Gramm pro Tonne enthält. Die rund 1,3 Milliarden weltweit 2025 verkauften Smartphones enthalten 29.100 Tonnen Aluminium, 13.900 Tonnen Kupfer sowie 8,2 Tonnen Gold. Fürs Recycling ist der Goldgehalt wirtschaftlich am wichtigsten. Aktuell dürften 167 Millionen Althandys unbenutzt in deutschen Schubladen liegen. In ihnen steckt mehr als eine Tonne Gold. Sein Wert Ende Juli 2026: über 114 Millionen Euro. Es gilt also, alte Mobiltelefone und Laptops möglichst lange zu nutzen und defekte Geräte über gemeinnützige Organisationen oder Händler dem Recycling zuzuführen.
Weitergehende Publikationen des Autors zum Thema, etwa ein „Leitfaden Gold“, finden sich hier.
Hartmut Heidenreich ist Mitglied des ehrenamtlichen Koordinationsteams der Kampagne Bergbau Peru.
Urheberrecht Bild: Jose Luis Stephens/shutterstock