Junge Menschen protestieren auf der Straße mit gemalten Bildern

Liebe*r Leser*in,

erinnern Sie sich noch an den Slogan „No future“? Geprägt hatte ihn vor fast 50 Jahren die britische Punk-Band Sex Pistols. Schnell verbreitete er sich und spiegelte angesichts von gesellschaftlicher Spaltung und der Gefahr eines Nuklearkrieges in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren das pessimistische Lebensgefühl vor allem junger Menschen.

Ein Gefühl, das angesichts von Klimakatastrophe, Covid-19-Pandemie, wachsender sozialer Ungleichheit und den Kriegen etwa in der Ukraine und in Gaza heute noch viel stärker verbreitet sein müsste. Eines, das lähmt und die Kraft nimmt, sich für Veränderung und ein besseres Morgen einzusetzen. Passend zu der häufig bemühten Formel von der unpolitischen Jugend, die sich nur für ihr Handy und nächtelange Partys interessiere.

Publikation
Junge Menschen protestieren auf der Straße mit gemalten Bildern
Südlink 216 - Jugend im Aufbruch
Auf der Suche nach einer besseren Zukunft
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Südlink 216 - Jugend im Aufbruch
Auf der Suche nach einer besseren Zukunft
Von wegen „No Future“ und Handy-Apathie – junge Menschen sind keineswegs passiv. In vielen Ländern hat die Generation Z die Herrschenden herausgefordert und kämpft gegen Korruption, Misswirtschaft und Autoritarismus.Ob Marokko oder Kenia, Mexiko oder Peru, Bangladesch…

Die Wirklichkeit aber sieht nicht ganz so düster aus. Die Generation Z, also die zwischen 1995 und 2010 geborenen, ist keineswegs passiv. Sie zeigt ihren Unmut und lehnt sich gegen das krisenhafte „Weiter so!“ der Elterngeneration auf, das ihre Zukunft zu zerstören droht. So entstand aus dem Schulstreik, den die damals 15-jährige Greta Thunberg 2018 in Stockholm begann, mit „Fridays for Future“ schnell eine Umweltbewegung, die weltweit Millionen auf die Straße brachte.

Die Klimabewegung hat an Mobilisierungskraft eingebüßt. Doch in vielen Ländern des Globalen Südens hat sich die Gen Z die Straßen genommen, um gegen Korruption, soziale Ungleichheit und fehlende wirtschaftliche Perspektiven sowie den wachsenden Autoritarismus der Herrschenden zu protestieren. In Madagaskar und Nepal hat sie 2025 sogar die Regierungen gestürzt. Wie es in diesen beiden Ländern weitergeht, beschreiben unsere Autor*innen Marjam Mayer beziehungsweise Tauqueer Ali Sabri.

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Ob Marokko oder Kenia, Mexiko oder Peru, Bangladesch oder Indonesien – jede Protestbewegung hat ihre eigenen Themen und Ziele. Doch es gibt auch Charakteristika, die viele gemeinsam haben. Die Gen Z ist nicht hierarchisch organisiert und kommt ohne klare Führungsstruktur aus. Zumeist haben die Proteste soziale Ursachen. Und es stehen, wie Sarah Weiß in ihrem Beitrag zu diesem Dossier schreibt, „nicht abstrakte ideologische Konzepte im Mittelpunkt, sondern das Grundrecht, frei von Gewalt ein menschenwürdiges Leben zu führen“.

Es geht um eine demokratische Teilhabe, welche die herrschenden Eliten verweigern, teilweise seit Jahrzehnten. Ein besonders krasses Beispiel schildert Simone Schlindwein aus Uganda, wo der 81-jährige Yoweri Museveni seit inzwischen 40 Jahren autokratisch regiert und sich erst im Januar erneut wählen ließ. Auf die drängenden Probleme der jungen Bevölkerungsmehrheit des Landes hat der greise Präsident keine Antwort und auf Proteste reagiert er mit harter Repression. Wer kann, verlässt das Land.

Wir zeigen in diesem Dossier eine Jugend, die höchst ungewissen Zeiten entgegensieht, sich aber gleichwohl für eine bessere Zukunft einsetzt. Wir finden, sie verdient dafür Unterstützung. Mögen Sie dies nach der Lektüre ebenso sehen, hofft 

Michael Krämer

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