Liebe Leser*innen,

bei Covid-19 denken wir meistens zuerst an die vielen Erkrankten und Verstorbenen der letzten knapp zwei Jahre. Die Pandemie hat weltweit zugeschlagen und verursacht bis heute großes Leid in Süd und Nord. Auch wirtschaftlich trifft sie viele Menschen hart. Doch es gibt auch Gewinner*innen. So haben die Milliardär*innen dieser Welt ihr Nettovermögen seit Beginn der Coronakrise von 8 auf 13,5 Billionen US-Dollar gesteigert – ein Wachstum von fast 69 Prozent in nur anderthalb Jahren. Unfassbare Zahlen, deren Kehrseite eine wachsende soziale Ungleichheit sowie die Verarmung und Verelendung von hunderten Millionen Menschen ist.

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Südlink - Finanzmärkte und Verschuldung: Wie der globale Süden in Abhängigkeit gehalten wird
198 – Dezember 2021
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Südlink - Finanzmärkte und Verschuldung: Wie der globale Süden in Abhängigkeit gehalten wird
198 – Dezember 2021
Um 69 Prozent haben die Milliardär*innen dieser Welt in anderthalb Jahren Coronapandemie ihr Vermögen gesteigert. Möglich gemacht hat dies auch die wachsende Macht des Kapitals, das bis heute kaum reguliert ist. Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer. Krisenzeiten verschärfen diesen T...

Mehrere Faktoren begünstigen diese Entwicklung. Ein zentraler ist die sich seit Jahren verstärkende Finanzialisierung, deren negative Folgen Bodo Ellmers in seinem Einleitungsbeitrag zu unserem Dossier beschreibt. Finanzialisierung meint zunächst den wachsenden Anteil des Kapitals an der Wirtschaftsleistung zahlreicher Länder. Verbunden ist diese Tendenz mit einem steten Machtzuwachs, der sich in günstigen Rahmenbedingungen niederschlägt. Vermögensverwalter*innen und Investmentfonds häufen immer mehr Geld an und verhindern eine Politik, die ihre Geschäftsinteressen beschränkt und für sozialen Ausgleich sorgt.

Eine Tendenz, die sich selbst auf die Entwicklungszusammenarbeit immer mehr auswirkt. Investmentfonds entdecken nachhaltige Entwicklung als Anlageprodukt und lobbyieren für mehr privates Kapital in der Entwicklungsfinanzierung. Der Trick dabei: Staatliche Garantien sollen das unternehmerische Risiko absichern. Einmal mehr also sollen Gewinne in private Taschen fließen, mögliche Verluste aber sozialisiert werden.

Keinesfalls lösen, sondern im Gegenteil verschärfen würde dies ein anderes Problem, dass durch die Coronapandemie noch größer geworden ist: die Schuldenkrise in vielen Ländern des globalen Südens. Manchmal liegt das, wie etwa in Mosambik, auch an Misswirtschaft und Korruption der Regierenden, wie es Adriano Nuvunga in seinem Artikel analysiert. Doch selbst hier tragen internationale Gläubiger eine mindestens ebenso große Verantwortung. Zurecht wird daher in manchen Ländern  von illegitimen Schulden gesprochen. Um den Ländern wieder eine Perspektive zu bieten, sollten diese gestrichen werden.

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Die Lage ist dramatisch: Von siebzig Ländern mit niedrigem Einkommen und kleinen Inselstaaten weisen nach Daten des Internationalen Währungsfonds Mitte des Jahres nur noch neun ein niedriges Überschuldungsrisiko auf, wie Jürgen Kaiser in seinem Beitrag zu Corona und Verschuldung schreibt. Doch leider gilt wie in so manchen anderen Bereichen auch: Die Coronakrise wird nicht als Chance auf Veränderung genutzt – um die Welt und ihr Finanzsystem weniger krisenanfällig zu machen und um gegen die globale soziale Ungleichheit vorzugehen. Dies wird nämlich nur dann gelingen, wenn die Macht des Kapitals beschränkt wird. Der Weg dorthin aber ist noch lang.

Eine anregende Lektüre auf diesem Weg wünscht Ihnen

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungs dienstes, von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), durch die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie die Stiftung Nord-Süd-Brücken.
Für den Inhalt dieser Publikation ist allein der INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.

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