Südlink zu Künstlicher Intelligenz erschienen
Liebe*r Leser*in,
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war da, Brasiliens Präsident Lula da Silva ebenso und außerdem UN-Generalsekretär António Guterres. Auch zahlreiche Chefs von Tech-Konzernen kamen im Februar zum 4. Weltgipfel über Künstliche Intelligenz (KI) nach Neu-Delhi, um ihre neuesten Innovationen zu präsentieren und lukrative Märkte aufzutun. Die Konferenz war für Indiens Premierminister Narendra Modi eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Ambitionen des eigenen Landes in der Weiterentwicklung und Nutzung von KI zu präsentieren – ein Bereich, den neben wenigen europäischen und einigen chinesischen bisher vor allem Konzerne aus den USA bestimmen. Nicht zum ersten Mal machte sich Modi dabei zum Sprecher des Globalen Südens. Milliarden Menschen könnten von der KI profitieren, erklärte er in einer Rede. Und in der Tat klingt der Kürzel KI wie eine Verheißung auf eine bessere Zukunft.
Zweifelsohne hat Künstliche Intelligenz einen immer größeren Einfluss auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Nord und Süd. Die Vor- und Nachteile sind allerdings höchst ungleich verteilt. Tech-Konzerne vor allem in den USA verdienen Milliarden und einige ihrer konservativen bis rechtsextremen Eigentümer (die männliche Form ist hier bewusst gewählt) nehmen unheilvollen Einfluss auf die Politik und treiben die gesellschaftliche Spaltung voran.
Zugleich entstehen im Globalen Süden neue ökonomische Abhängigkeiten, die der Begriff des „digitalen Kolonialismus“ treffend umschreibt. Simone Schlindwein hat Data-Worker in Uganda getroffen und schildert in ihrer Reportage, wie diese für miserable Löhne und unter psychologisch enorm belastenden Arbeitsbedingungen die KI von Konzernen wie Meta, Google oder Tesla trainieren.
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Ich bin dabei!Auch wenn das viele Wirtschaftsbosse und leider zu viele Politiker*innen nicht hören wollen: Wie für andere Bereiche gilt auch für KI, dass sie verbindlich reguliert werden muss – ein Thema, über das in Neu-Delhi ebenfalls diskutiert wurde. Klare und verbindliche gesetzliche Vorgaben sind nötig, nur dann wird „die demokratische Kontrolle über diese Systeme“ sichergestellt, so Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch im Interview. Für die Netzaktivistin Geraldine de Bastion ist es denn auch die „entscheidende Frage der kommenden Jahre (…), unter welchen Bedingungen Gesellschaften in der Lage sind, diese Technologien aktiv zu gestalten“.
Südlink
In unserem entwicklungspolitischen Magazin Südlink lesen Sie spannende Artikel und einordnende Kommentare zu wichtigen Nord-Süd-Debatten.
jetzt lesenVon Deepfakes und Gesichtserkennung über den Einsatz in Kriegen bis hin zu der berüchtigten Überwachungssoftware Palantir, die auch einige deutsche Polizeien nutzen – Künstliche Intelligenz kann ein wahres Teufelszeug sein und viel Unheil in die Welt bringen. Ob das so kommt, ist noch nicht entschieden. Es gibt auch positive Entwicklungen, etwa Anwendungen, die es erleichtern, afrikanische Sprachen zu nutzen, die bisher in der KI-Welt meist außen vor geblieben sind.
In der Vorbereitung dieses Dossiers haben wir einiges dazugelernt. Möge es Ihnen bei der Lektüre ebenso gehen, wünscht
Michael Krämer