Südlink 191 Cover

Liebe Leserin, lieber Leser,

viel Zeit bleibt nicht mehr. Schaffen wir es nicht, den Ausstoß von Treibhausgasen innerhalb weniger Jahre vehement zu senken, steht uns eine Erderwärmung von deutlich mehr als zwei Grad Celsius bevor. Mehr Dürren und Überschwemmungen, stärkere Wirbelstürme, ein enormer Anstieg des Meeresspiegels, der massive Verlust an Artenvielfalt und einiges mehr. Die Auswirkungen überträfen alle bisherigen Katastrophen noch um ein Vielfaches. „Unsere Erde würden wir nicht wiedererkennen“, erklärt Jan Kowalzig im Einleitungsartikel zu diesem Dossier.

Viele Indizien für ein optimistisches „Ja“ auf seine Eingangsfrage „Kriegen wir die Kurve?“ konnte er nicht zusammentragen. Zu wenig sind die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bereit, die notwendigen Reformen anzugehen. Dabei vergrößert jedes Jahr des Nichthandelns das Problem noch mehr. Hätten wir vor zwanzig oder dreißig Jahren mit dem Abschied von fossilen Energieträgern begonnen, müssten die Einschnitte heute nicht so radikal ausfallen. Zu viele Treibhausgase haben sich inzwischen in der Atmosphäre angesammelt. Die Natur vergisst nicht!

Magazin
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Südlink - Vor der Klimakatastrophe: Dem globalen Süden bleibt keine Zeit mehr
Südlink 191 - März 2020
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Südlink - Vor der Klimakatastrophe: Dem globalen Süden bleibt keine Zeit mehr
Südlink 191 - März 2020
Dürren, Überschwemmungen, immer zerstörerische Wirbelstürme – der Klimawandel hat längst begonnen. Und trifft die Menschen im globalen Süden besonders stark. Ein „Weiter so“ führt direkt in eine Katastrophe nie gekannten Ausmaßes. Millionen vor allem junge Menschen sind im vergangenen Jahr auf die ...

Warum passiert eigentlich so wenig, um das Steuer herumzureißen? Ist es die mangelnde Bereitschaft, die eigenen klimaschädlichen Konsummuster zu verändern? Ist nicht jeder und jede gefordert, viel mehr als bisher die eigene Klimabilanz zu verbessern? Auf jeden Fall, findet Tobias Lambert. Wichtiger noch als Verhaltensänderungen auf individueller Ebene seien allerdings strukturelle Reformen. Bewusster zu konsumieren ersetzt keinen Systemwechsel, lautet sein Fazit.

Die Schüler*innen und viele andere jungen Menschen, die bei Fridays for Future und in anderen Bewegungen aktiv sind, haben das erkannt. Sie haben es satt, dass ihre Zukunft zerstört wird und fordern eine radikale Umkehr. Sie sind nicht mehr bereit, die immergleichen Beschwichtigungen und Ausreden der Politiker*innen und Unternehmer*innen noch länger zu akzeptieren.

Recht haben sie. Wobei es für die Menschen im globalen Süden längst nicht mehr nur um ihre Zukunft geht. Es geht um ihre Gegenwart, in weiten Teilen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens ist die Katastrophe bereits Alltag. Davon berichten Klimaaktivist*innen wie Oladosu Adenike aus Nigeria, Disha Ravi aus Indien oder Carlon Zackhras von den Marshall-Inseln. Das zeigen aber auch die Projekte, die INKOTA in Ländern wie Mosambik, El Salvador oder Nicaragua unterstützt. Der Klimawandel ist dort längst Wirklichkeit und viele unserer Partnerorganisationen arbeiten gemeinsam mit den Menschen in den zahlreichen Projektgemeinden an Wegen, die ihnen ein Leben und Überleben auch in Zeiten der Klimakatastrophe ermöglichen.

Auch davon berichten wir in diesem Dossier. Mehr noch als Bekümmernis auszulösen, möge dessen Lektüre Sie dazu bewegen, aktiv zu werden. Für Klimagerechtigkeit und gegen das Weiter so, das ganz sicher in den Abgrund führt.

Dies jedenfalls wünscht sich und Ihnen,

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken, durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sowie der Deutschen Postcode Lotterie. Für den Inhalt dieser Publikation ist alleine INKOTA verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.

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