El Salvador

Ein besseres Leben am Vulkan

Mit Agrarökologie dem Klimawandel trotzen und den Menschen neue Perspektiven bieten

In der Gemeinde Chambala: Miguel Ulloa, Gemeindevorstand und Präsident von GTCHA, und Daisy Garay, Mitarbeiterin von Oikos, vor einer Kakaopflanze.

Steckbrief

Projektfokus
Agrarökologie
Zahl der Begünstigten
386 Kleinbauernfamilien
Spendenbedarf
45.003,00 Euro

Miguel Ulloa hat schon viel gesehen und erlebt in seinem Leben. Seit Jahrzehnten setzt er sich für ein besseres Leben der Menschen in Chambala und anderen Gemeinden am Vulkan von San Miguel im Osten El Salvadors ein. Als junger Mann hat er die Tagelöhner der Kaffeeplantagen in der Gegend für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen organisiert. Heute ist er ein weithin anerkannter Sprecher der Gemeinden der Region.

Wetterextreme durch Klimawandel

Mit den unterschiedlichsten Anliegen kommen die Menschen zu dem 62-Jährigen, um Rat und Unterstützung von ihm zu erhalten. Seit einigen Jahren drehen sich die Sorgen der Menschen immer häufiger um Ernteverluste. Weil es nicht ausreichend geregnet hat. Oder aber viel zu viel. Wie erst am 31. Mai 2020 wieder einmal, als der Tropensturm Amanda über El Salvador hinwegzog. Bis zu 500 Milliliter Regen fielen an einem einzigen Tag, fast so viel wie in Berlin im gesamten Jahr 2019!

Miguel Ulloa hat schon viel gesehen und erlebt in seinem Leben. Seit Jahrzehnten setzt er sich für ein besseres Leben der Menschen in Chambala und anderen Gemeinden am Vulkan von San Miguel im Osten El Salvadors ein. Als junger Mann hat er die Tagelöhner der Kaffeeplantagen in der Gegend für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen organisiert. Heute ist er ein weithin anerkannter Sprecher der Gemeinden der Region.

Wetterextreme durch Klimawandel

Mit den unterschiedlichsten Anliegen kommen die Menschen zu dem 62-Jährigen, um Rat und Unterstützung von ihm zu erhalten. Seit einigen Jahren drehen sich die Sorgen der Menschen immer häufiger um Ernteverluste. Weil es nicht ausreichend geregnet hat. Oder aber viel zu viel. Wie erst am 31. Mai 2020 wieder einmal, als der Tropensturm Amanda über El Salvador hinwegzog. Bis zu 500 Milliliter Regen fielen an einem einzigen Tag, fast so viel wie in Berlin im gesamten Jahr 2019!

In El Salvador hat der Klimawandel längst begonnen. Unsere traditionelle Landwirtschaft funktioniert immer weniger. Wir brauchen Alternativen, wenn wir noch eine Lebensperspektive hier am Vulkan haben wollen.
Miguel Ulloa
Gemeindevorstand von Chambala

Deshalb kooperiert Miguel Ulloa seit vielen Jahren mit Oikos, eine der erfahrensten Organisationen in El Salvador beim Thema Klimawandelanpassung. Das Büro des langjährigen Projektpartners von INKOTA liegt in unmittelbarer Nähe des Vulkans von San Miguel. Dort arbeitet Projektkoordinator Guillermo Rivera mit seinem Team an einer Zukunft für die Menschen am Vulkan. Die Gemeinden dort kennt er wie seine Westentasche.

Mit unserem neuen Projekt verbinden wir die Herausforderung des Klimawandels mit einer agrarökologisch ausgerichteten Landwirtschaft. Zum Beispiel mit dem Aufbau von Agroforst-Systemen, in denen wir den Anbau von Nahrungsmitteln mit Aufforstung und umfangreichen Bodenschutzmaßnahmen kombinieren. Angesichts der immer häufiger auftretenden Wetterextreme sind die Agroforstsysteme eine Alternative für die Menschen, die es ihnen erlaubt, auch weiterhin Landwirtschaft zu betreiben.
Guillermo Rivera
Projektkoordinator bei Oikos

Weil die kleinen landwirtschaftlichen Flächen der Bauern und Bäuerinnen am Vulkan von San Miguel fast alle in Hanglage liegen, sind Bodenschutzmaßnahmen von großer Bedeutung. Dazu zählen Deiche, Hecken und quer zum Hang laufende Gräben, die bei Regen den Abfluss des Wassers verringern. Je mehr Wasser in den Boden sickert, umso höher steigt der Grundwasserspiegel und umso besser werden die Böden. Zusätzlich schützen tausende neu gepflanzte Bäume vor Erosion – und sind zugleich ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Biodiversität. Auch fallen so gefährliche Sturzbäche kleiner und die regelmäßigen Überschwemmungen im Flachland weniger schlimm aus.

Diverserer Anbau mit vielen Vorteilen

Es geht aber auch darum, von der Beschränkung auf den Anbau traditioneller Grundnahrungsmittel wegzukommen. Mais und Bohnen sind zu anfällig für die zunehmenden Wetterextreme. Immer häufiger haben die Menschen Ernteverluste zu beklagen. Erst 2019 blieb der Regen während der Regenzeit vierzig Tage aus – die längste jemals vom Umweltministerium in El Salvador gemessene Dürre! Die Mais- und Bohnenernte ging damals komplett verloren. Eine Alternative bietet der Anbau von Obst und Gemüse, durch den auch die Qualität der Ernährung auf dem Land deutlich verbessert werden kann. Und durch den Verkauf eines Teils der Ernten auf den Märkten der Umgebung haben die Familien zusätzliche Einkommen für Lebensmittel, Kleidung oder Medikamente.

Ohne Chemikalien in ein besseres Leben

Zur Agrarökologie gehört auch die Umstellung auf eine nachhaltige Landwirtschaft, die auf chemische Dünger und gefährliche Ackergifte verzichtet. Dafür hat Guillermo Rivera einen besonderen Plan erarbeitet. Im Rahmen des Projekts wird eine große Anlage aufgebaut, in der ab 2021 bis zu drei Tonnen organischer Abfall täglich kompostiert werden können. Diese fallen unter anderem auf dem Markt der Kreisstadt El Transito an. Und weil die Kreisverwaltung bisher für die Entsorgung der Abfälle auf einer etwa dreißig Kilometer entfernten Deponie hohe Gebühren bezahlen muss, beteiligt sie sich an den Kosten der Anlage und wird zwei Arbeiter zur Verfügung stellen, die in der Anlage arbeiten werden. Der Kompost wird den Landwirt*innen der Projektgemeinden und anderen als Biodünger zur Verfügung gestellt.

Auch Miguel Ulloa ist von der Idee begeistert. Als Präsident der Organisation der Gemeinden am Vulkan von San Miguel (GTCHA) macht er sich schon länger für eine agrarökologische Landwirtschaft stark. In Chambala, wo sich die meisten Äcker in sehr starker Hanglage befinden, hat er gemeinsam mit dem Projektteam von Oikos den Anbau verschiedener Gemüsesorten auf Terrassen eingeführt. So konnte er nicht nur die Bodenerosion beenden, sondern auch für eine bessere Ernährung und höhere Einkünfte der Bäuer*innen sorgen. 

Wer wissen möchte, wie sehr die einsetzende Klimakatastrophe den armen Menschen im globalen Süden zu schaffen macht, kann dies am Vulkan von San Miguel deutlich sehen. Mal regnet es viel zu viel, dann lange Zeit gar nicht. Das Leben ist wirklich hart in diesen Gemeinden. Doch die Menschen geben nicht auf. Sie haben sich organisiert und kämpfen für eine bessere Zukunft am Vulkan. Gemeinsam mit Oikos probieren sie Neues aus. Der Erfolg gibt ihnen recht!
Michael Krämer
INKOTA-Referent für El Salvador

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