El Salvador

Wasser darf keine Ware sein!

Drei unserer Partnerorganisationen in El Salvador setzen sich für ein zentrales Menschenrecht ein: das Recht auf Wasser.

Steckbrief

Projektfokus
Verteidigung und Verwirklichung des Menschenrechts auf Wasser
Zahl der Begünstigten
Mehr als 9.890 Familien in 125 Gemeinden
Spendenbedarf
63.725,00 Euro

Wasser gilt als das kostbarste Gut der Welt – und es ist knapp. El Salvador könnte eigentlich genug Wasser haben. In dem zentralamerikanischen Land mit seinem tropischen Klima fällt im Schnitt deutlich mehr Regen als in Deutschland. Doch die durch den Klimawandel immer häufiger und immer heftiger werdenden Dürren und Starkregenfälle machen den Menschen schwer zu schaffen. Zu den naturbedingten Problemen kommt noch ein weiteres hinzu. Es hat viel mit Macht und sozialer Ungleichheit zu tun. Viele Menschen, die arm sind, haben auch deswegen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, weil der Staat schon immer ganz andere Prioritäten gesetzt hat: Unternehmen bekommen viel schneller einen Wasseranschluss als die Bewohner*innen unzähliger Dörfer und der Armenviertel der größeren Städte.

Griselda Hernández aus der Gemeinde El Coplanar will das ändern. Sie kämpft schon seit mehr als 15 Jahren für das Menschenrecht auf Wasser in El Salvador. Mit anderen Mitstreiter*innen hat sie 2002 ein Wasserkomitee gegründet und in jahrelanger Arbeit ein unabhängiges Wassersystem (ASCOBAPCO) aufgebaut, das heute in insgesamt sieben Gemeinden etwa 600 Familien mit Wasser beliefert. Früher mussten sie teures Wasser aus Tankwagen kaufen oder verschmutztes Wasser von teils kilometerweit entfernten, häufig verschmutzten Bächen und kleinen Flüssen holen. Seit einigen Jahren haben sie sauberes Trinkwasser. Ein toller Erfolg!

Wasser gilt als das kostbarste Gut der Welt – und es ist knapp. El Salvador könnte eigentlich genug Wasser haben. In dem zentralamerikanischen Land mit seinem tropischen Klima fällt im Schnitt deutlich mehr Regen als in Deutschland. Doch die durch den Klimawandel immer häufiger und immer heftiger werdenden Dürren und Starkregenfälle machen den Menschen schwer zu schaffen. Zu den naturbedingten Problemen kommt noch ein weiteres hinzu. Es hat viel mit Macht und sozialer Ungleichheit zu tun. Viele Menschen, die arm sind, haben auch deswegen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, weil der Staat schon immer ganz andere Prioritäten gesetzt hat: Unternehmen bekommen viel schneller einen Wasseranschluss als die Bewohner*innen unzähliger Dörfer und der Armenviertel der größeren Städte.

Griselda Hernández aus der Gemeinde El Coplanar will das ändern. Sie kämpft schon seit mehr als 15 Jahren für das Menschenrecht auf Wasser in El Salvador. Mit anderen Mitstreiter*innen hat sie 2002 ein Wasserkomitee gegründet und in jahrelanger Arbeit ein unabhängiges Wassersystem (ASCOBAPCO) aufgebaut, das heute in insgesamt sieben Gemeinden etwa 600 Familien mit Wasser beliefert. Früher mussten sie teures Wasser aus Tankwagen kaufen oder verschmutztes Wasser von teils kilometerweit entfernten, häufig verschmutzten Bächen und kleinen Flüssen holen. Seit einigen Jahren haben sie sauberes Trinkwasser. Ein toller Erfolg!

Warum ist das Recht auf Wasser in El Salvador so bedroht?

Steht nicht genügend Wasser zur Verfügung?

El Salvador könnte genug Wasser haben. Mit 1.700 Millimeter Niederschlag regnet es deutlich mehr als in Deutschland. Und doch ist Wasser ein sehr knappes Gut. Der Regen fällt übers Jahr verteilt sehr ungleich: Manchmal regnet es hunderte Millimeter an nur einem oder in wenigen Tagen, oder es bleibt selbst in der Regenzeit wochenlang trocken.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Mit dem bereits deutlich spürbaren Klimawandel verstärken sich die Wetterextreme weiter: Immer häufiger kommt es zu wochen- und monatelangen Dürreperioden oder gewaltigen Starkregenfällen. Eine absolute Katastrophe für die Landwirtschaft: Im Sommer 2018 ging in Teilen des Landes durch eine mehrwöchige Dürre die für die Menschen so wichtige Mais- und Bohnenernte komplett verloren. Und im Mai 2020 hat Tropensturm Amanda fast die gesamte Saat zerstört.

Was tut die Politik?

Seit Jahren fehlt in El Salvador eine nachhaltige Wasserpolitik, die auf den Schutz der Wasserquellen und Wasserreservoirs zielt. Ein großes Problem ist dabei die Abholzung in den Wassereinzugsgebieten. Viele Bäume werden gefällt, um Brennholz zu gewinnen. Wegen der hohen Entwaldungsrate sickert immer weniger Regenwasser in den Boden ein und fließt stattdessen an der Oberfläche ab. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel ab und die natürlichen Wasserquellen werden schwächer oder versiegen gar ganz. Durch den fortschreitenden Klimawandel wird das Problem noch verstärkt.

Außerdem unternimmt die Politik bislang zu wenig, um allen Menschen im Land die lebenswichtige Grundversorgung mit sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Wer arm ist und in einem Stadtviertel oder in abgelegenen ländlichen Gemeinden ohne Zugang zur staatlichen Trinkwasserversorgung lebt, muss das Trinkwasser mitunter von privaten Wassertankwagen beziehen – und bezahlt dann mehr für das Wasser als diejenigen, die mit dem billigeren Leitungswasser ihre Gärten bewässern oder Swimming Pools befüllen.

Wer unternimmt etwas gegen den Missstand?

Mehr als 2.000 unabhängige Wassersysteme gibt es in El Salvador. Sie alle sind die Antwort der Zivilgesellschaft auf den Wassermangel und die fehlende Unterstützung der Armen durch den Staat.

Außerdem leistet die Aufforstung einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Quellen. Bäume fördern, dass Wasser in die Böden einsickert und vermindert,  dass in den hügeligen Gebieten das Regenwasser abläuft. Dies verringert die Bodenerosion und ist ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung des Grundwasserspiegels. Denn nur wo Bäume wachsen, kann genug Regenwasser in den Boden sickern.

Doch so wunderbar und wichtig ASCOBAPCO auch ist – es ist ein Erfolg, der begrenzt ist auf ein bestimmtes Gebiet. Noch immer haben tausende Menschen im Land keinen Zugang zur Trinkwasserversorgung. Und der Gegenwind gegen die unabhängige Wasserversorgung ist spürbar. 2016 hatte ein Bürgermeister versucht, mit Polizeigewalt einen neuen Vorstand bei ASCOBAPCO einzusetzen. Das Ziel: einem befreundeten Unternehmer den Zugriff auf das Wassersystem ermöglichen. Der ausschließlich mit Frauen besetze Vorstand wehrte sich erfolgreich und verteidigte die Gemeinnützigkeit des Wassersystems. Eine Kampfgefährtin verstarb in dieser Zeit „an Stress und wegen der Angst, die die Drohungen des Bürgermeisters bei ihr auslösten“, wie Griselda Hernández berichtet.

Auch auf nationaler Ebene hat ASCOBAPCO mächtige Feinde: Der größte Unternehmerverband des Landes hat einen Vorschlag für ein Wassergesetz eingebracht, das Profitinteressen über das Gemeinwohl setzt. Ein Schlag ins Gesicht für Griselda und die hunderten Organisationen im Land, die sich für das Menschenrecht auf Wasser in El Salvador stark machen. Doch Griselda bleibt kämpferisch:

Komme was wolle: Wir werden immer weiterkämpfen, um das Menschenrecht auf Wasser zu verteidigen!
Griselda Hernández
Mitgründerin des unabhängiges Wassersystem ASCOBAPCO

Deshalb gehen Griselda, ASCOBAPCO und die INKOTA-Partner*innen von der Nichtregierungsorganisation Acua, der Frauenorganisation Colectiva Feminista und der Menschenrechtsorganisation Fespad in die Offensive.  Auf politischer Ebene kämpfen sie dafür, dass das Menschenrecht auf Wasser in El Salvador durchgesetzt wird. Und in einem seit 2019 von INKOTA unterstützten Projekt, versuchen sie im Kleinen die gemeinnützige Wasserversorgung zu sichern. Im Rahmen des Projektes werden unter anderem 30.000 Bäume gepflanzt. Mehr als 9.000 Familien in etwa 120 ländlichen Gemeinden profitieren davon.

Bisherige Erfolge des Wasserprogramms

Oktober 2019

Volksentscheid im Landkreis Suchitoto

Eine große Mehrheit der Bevölkerung im Landkreis Suchitoto spricht sich in einem Volksentscheid für das Menschenrecht auf Wasser aus. Da dieser Volksentscheid offiziell unter Aufsicht des Obersten Wahlgerichts des Landes  durchgeführt wurde, ist das Ergebnis für die Verwaltung des Landkreises nun bindend. Alle Entscheidungen müssen darauf überprüft werden, ob sie das Menschenrecht auf Wasser schützen. Die Bedürfnisse der Menschen sind nun wichtiger als die Interessen von Unternehmen. Ein Beispiel: Ein Agrarunternehmen, das im großen Stil Zuckerrohr anbauen will, darf aus seinen Brunnen, die häufig viel tiefer reichen als jene von benachbarten Gemeinden, nicht mehr unbegrenzt Wasser holen. Die Versorgung der Menschen, die im Umkreis der Plantagen leben, hat Vorrang und darf nicht gefährdet werden.

Am 27. Oktober 2019 stimmt die Mehrheit der Bevölkerung des Landkreises Suchitoto in El Salvador bei einem Volksentscheid für die lokale Verankerung des Menschenrechts auf Wasser. Ein großer Erfolg! 

Oktober 2020

Parlament stimmt für Grundrecht auf Wasser

Am 15. Oktober 2020 hat das Parlament von El Salvador beschlossen, das Menschenrecht auf Wasser in die Verfassung aufzunehmen. 77 der 84 Abgeordneten haben dafür gestimmt, die Artikel 2 und 69 zu ändern. Im Artikel 69 heißt es nun genauer: „Der Staat ist dazu verpflichtet, eine Politik umzusetzen, die sicherstellt, dass alle Einwohner Wasser haben, das gesund, ausreichend, zugänglich und erschwinglich ist und dass die Wasserquellen genutzt und erhalten werden. Wasser ist ein öffentliches Gut.“ Diese Verfassungsreform muss von dem neuen Parlament nach der Wahl 2021 noch bestätigt werden. Saúl Baños, der Direktor unserer Partnerorganisation Fespad, sagt: „Die Reform ist gut und wichtig. Sie hätte allerdings noch weitreichender sein können.“ Anlässlich der Abstimmung führten wir ein Gespräch mit ihm.

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