Dienstag 31.03.20

„Wie sollen diese Menschen sich selbst schützen, wenn sie ohnehin ums tägliche Überleben kämpfen?“

Hansueli Krapf, Wikimedia, https://pt.wikipedia.org/wiki/Ficheiro:2010-10-18_10-55-00_Mozambique_Maputo_Macamo.jpg

Unsere Partnerorganisationen in Mosambik haben erste Maßnahmen zum Kampf gegen das Coronavirus ergriffen. So berichten ADECRU, ORAM und UNAC unter anderem davon, dass größere Veranstaltungen abgesagt und Dienstreisen beschränkt wurden. Die Hauptgeschäftsstellen unserer Partner*innen stehen in engem Austausch mit ihren lokalen Verbänden und Mitgliedern in den ländlichen Regionen, um weitere Maßnahmen zu besprechen. Ihre Hauptaufgabe sehen sie darin, die Bevölkerung über Präventionsmaßnahmen aufzuklären. Denn angesichts des zögerlichen Handelns der Regierung und der katastrophalen Gesundheitsversorgung befürchten sie Schlimmes, vor allem für die vielen armen Menschen im Land.

Nur 2.000 Test-Kits zur Verfügung

Bislang ist die Zahl der offiziell bestätigten Corona-Fälle in Mosambik mit acht (Stand: 31.03.2020) sehr niedrig. Nach anfänglichem Zögern hat die Regierung nun den Katastrophenfall ausgerufen und Schulschließungen, Versammlungsverbote und Einreisestopps angeordnet. „Mit den beschlossenen Maßnahmen scheinen Präsident Filipe Nyusi und seine Regierung endlich den Ernst der Pandemie erkannt zu haben“, berichtet unsere Partnerorganisation ADECRU. „Dennoch sind der Mangel an politischer Führung, die mangelnde Vorbereitung und die fehlenden technischen Kapazitäten der wichtigsten mosambikanischen Institutionen angesichts der tatsächlichen und erwarteten Bedrohungen durch das Coronavirus sichtbar und alarmierend.“ So hatte das Nationale Gesundheitsinstitut bekanntgegeben, nur 2.000 Tests vorrätig zu haben.

„Hier scheint die Situation noch unter Kontrolle zu sein, aber wir wissen nicht, ob das mit unserem Screening zu tun hat oder ob es wirklich keine Fälle gibt“, berichtet Luis Muchanga, der Geschäftsführer von UNAC. Auch er bezweifelt, dass Mosambik über die Kapazitäten verfüge, um gegen das Virus vorzugehen. „Wir beten dafür, dass es wirklich nur wenige Infektionen gibt“, erzählt er.

Partnerorganisationen setzen auf Prävention

„Wir machen uns auch Sorgen um die Menschen auf dem Land“, schreibt uns Calisto Ribeiro, der Geschäftsführer von ORAM. Die Organisation entwickle deshalb Ideen für ein Projekt, bei dem beispielsweise in Radios, auf Märkten und in Busterminals über das Coronavirus und Hygienemaßnahmen aufgeklärt werden soll. In der Provinz Cabo Delgado, wo das Risiko eines unkontrollierten Ausbruchs des Virus aufgrund des dortigen bewaffneten Konflikts besonders hoch ist, wird von einer anderen Organisation bereits ein ähnliches Projekt durchgeführt. Dieses möchte ORAM auf das gesamte Land ausweiten. Auch unsere anderen Partner*innen setzen auf die Aufklärung der Bevölkerung.

Abhängigkeit von China und Südafrika: Wirtschaftskrise droht

Neben der akuten Gefahr eines unkontrollierten Ausbruchs des Virus, wird die Corona-Pandemie schwerwiegende Folgen auf die Wirtschaft haben. Mosambik ist wirtschaftlich von China und vor allem Südafrika abhängig. Südafrika, wo nach 100 bestätigten Infektionen der „Katastrophenzustand“ ausgerufen wurde, hat bereits drei seiner Landgrenzübergänge zu Mosambik geschlossen.

Kaum Schutzmöglichkeiten für arme Menschen

Die Krise könnte vor allem die arme Bevölkerung hart treffen. Das öffentliche Gesundheitssystem ist extrem unterversorgt und private Versorgung können sich nur die wenigsten Menschen leisten. Auch die Schutz- und Hygienemaßnahmen sind für die Armen kaum umsetzbar. So warnt unsere Partnerorganisation ADECRU: „In überfüllten Kleinbussen, auf den Straßen, auf den Märkten, auf dem Land und weit weg von Krankenhäusern: Wie sollen diese Menschen sich selbst schützen oder sozial isolieren, wenn sie ohnehin ums tägliche Überleben kämpfen?“

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