Arbeiter in einer Gerberei in Bangladesch
Publikationen

Erschreckende Arbeitsbedingungen in der Lederindustrie in Bangladesch

Gefährdung für die Gesundheit und die Umwelt sowie Löhne unterhalb des Minimums – neue Studie zeigt bekannte Risiken und neue Probleme in der Lederindustrie in Bangladesch und dem Gerberei-Zentrum Savar nach der Umsiedelung von Hazaribagh

von Berndt Hinzmann
Veröffentlicht 13. SEPTEMBER 2022

Menschen in der Lederindustrie in Bangladesch sind schwerwiegenden arbeitsrechtlichen und menschenrechtlichen Risiken ausgesetzt. Das verdeutlicht die neue Studie der Bangladesh Labour Foundation (BLF) und von INKOTA für die gemeinsame Initiative Together for Decent Leather. Festgestellt wurden extrem niedrige Löhne, Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz, massive Umweltverschmutzung und erzwungene Überstunden. Der Studie liegt eine umfangreiche Recherche des Bangladesh Labour Foundation (BLF) und RAPID zugrunde, in der 120 Gerbereiarbeiter*innen einbezogen wurden.

Arbeiten ohne Vertrag, fehlende Schutzkleidung und hohe Gesundheitsrisiken

Aus der Umfrage geht hervor, dass 111 der 120 befragten Arbeitnehmer*innen ohne oder nur teilweise mit befristetem Arbeitsvertrag arbeiten. Somit arbeiten 95 Prozent aller Befragten ohne formellen Beschäftigungsnachweis. Eine Mehrheit von 75 Prozent der Befragten arbeitet ohne angemessene Schutzausrüstung und 79 Prozent sind nicht darin geschult, wie man Chemikalien sicher verwendet. Eine große Anzahl der Befragten leidet unter gesundheitlichen Problemen: 28 Prozent geben an, unter Hautkrankheiten zu leiden, 13 Prozent unter Kurzatmigkeit, 32 Prozent unter Magenbeschwerden und 63 Prozent unter Kopfschmerzen.

Studie
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Studie: Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen in der Lederindustrie von Bangladesch
Studie
Studie: Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen in der Lederindustrie von Bangladesch
Trotz der großen Bedeutung Bangladeschs für globale Leder- und Schuhlieferketten und der Wichtigkeit des Sektors für das Land selbst, ist es bisher nicht gelungen, gute Arbeitsstandards zu etablieren. Unsere Studie wertet eine Befragung aus, in der 120 Arbeiter*innen aus 26 Gerbereien in Savar zu de...

Minimale Entlohnung für schwere und gefährliche Arbeit

Der nationale Mindestlohn für Gerbereiarbeit liegt bei 13.500 Taka, umgerechnet etwa 143 Euro, pro Monat. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gibt an, unterhalb dieses Minimums bezahlt zu werden.

Starke Umweltverschmutzung im neuen Industriepark

BLF und Rapid befragten 120 Arbeiter*innen aus 26 Gerbereien im Gerberei-Zentrum Savar in Dhaka. Dieses Industriegebiet wurde mit dem Ziel internationale Umweltstandards zu erfüllen neu entwickelt. Aufgrund massiver gefährlicher Auswirkungen für die Umwelt und Gesundheit der Menschen in Hazaribagh – zählt zu den 10 giftigsten und verschmutzten Orten der Welt- hat die Regierung die Umsiedlung der Industrie angeschoben und versprach damit verbunden bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Jedoch funktionieren die Kläranlagen nicht, auch in Savar werden die Verschmutzung und die Gefahren immer größer. Im März 2022 musste das Umweltministerium, aufgrund der massiven Verschmutzung des Dhaleshwari-Flusses die Schließung von sieben Gerbereien anordnen.

Mitmach-Aktion

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Export ins Ausland ohne Transparenz

Mit einem Wert von 1,24 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 ist der Export von Leder, Lederwaren und Schuhen die drittgrößte Quelle für Exporteinnahmen für Bangladesch, nach Konfektionskleidung und Wohntextilien. Neben China ist Europa der wichtigste Abnehmermarkt für Lederwaren. Die Nachverfolgbarkeit ist aufgrund mangelnder Transparenz entlang der internationalen Lieferketten schwierig.

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Die Befragung fand im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Initiative Together For Decent Leather statt. Together for Decent Leather ist ein Zusammenschluss aus sieben Organisationen in Asien und Europa, das sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Verringerung von Arbeitsrechtsverletzungen in der Lederproduktion einsetzt.

Dieses Papier wurde mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union, der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes erstellt. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung der Herausgebenden und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Förderer wider.

Die Befragung fand im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Initiative Together For Decent Leather statt. Together for Decent Leather ist ein Zusammenschluss aus sieben Organisationen in Asien und Europa, das sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Verringerung von Arbeitsrechtsverletzungen in der Lederproduktion einsetzt.

Dieses Papier wurde mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union, der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes erstellt. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung der Herausgebenden und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Förderer wider.

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