ein großer Haufen voller Kakaofrüchte
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Faire Kakaopreise sind möglich

Zur Nachahmung empfohlen: Eine Initiative des Einzelhandelskonzerns Lidl könnte Kakao-Produzent*innen ein höheres Einkommen bescheren

von Evelyn Bahn
Veröffentlicht 1. JUNE 2026

Der Discounter Lidl hat angekündigt, Kakaobäuerinnen und -bauern künftig einen existenzsichernden Preis zu garantieren. Das ist ein bemerkenswerter Schritt in einem Markt, der zuletzt von extremen Preisschwankungen geprägt war.

„Der Weltmarktpreis für Kakao ist explodiert“ – so titelten 2024 Zeitungen weltweit. Tatsächlich erreichten die Preise mit zeitweise über 10.000 US-Dollar pro Tonne historische Höchststände. Doch der Preisanstieg erreichte viele Produzent*innen nicht: Während er in einigen Anbauregionen wie in Lateinamerika die Einkommen verbesserte, blieb er für viele Kakaobäuerinnen und -bauern in den wichtigsten Produktionsländern Côte d’Ivoire und Ghana nahezu wirkungslos.

Dort führten extreme Wetterbedingungen – Hitze im Wechsel mit Starkregen – sowie ein überalterter Baumbestand zu schlechten Ernten. Die Folge: Zwar stiegen die Preise, doch viele Produzent*innen hatten kaum Kakao zu verkaufen. Höhere Preise nützen wenig, wenn die Ernte ausbleibt. Zudem sind in Ghana und Côte d’Ivoire die Ab-Hof-Preise für Kakao staatlich festgelegt, sodass die höheren Preise erst zeitversetzt und nur teilweise an die Farmer*innen weitergegeben wurden.

Der Discounter Lidl hat angekündigt, Kakaobäuerinnen und -bauern künftig einen existenzsichernden Preis zu garantieren. Das ist ein bemerkenswerter Schritt in einem Markt, der zuletzt von extremen Preisschwankungen geprägt war.

„Der Weltmarktpreis für Kakao ist explodiert“ – so titelten 2024 Zeitungen weltweit. Tatsächlich erreichten die Preise mit zeitweise über 10.000 US-Dollar pro Tonne historische Höchststände. Doch der Preisanstieg erreichte viele Produzent*innen nicht: Während er in einigen Anbauregionen wie in Lateinamerika die Einkommen verbesserte, blieb er für viele Kakaobäuerinnen und -bauern in den wichtigsten Produktionsländern Côte d’Ivoire und Ghana nahezu wirkungslos.

Dort führten extreme Wetterbedingungen – Hitze im Wechsel mit Starkregen – sowie ein überalterter Baumbestand zu schlechten Ernten. Die Folge: Zwar stiegen die Preise, doch viele Produzent*innen hatten kaum Kakao zu verkaufen. Höhere Preise nützen wenig, wenn die Ernte ausbleibt. Zudem sind in Ghana und Côte d’Ivoire die Ab-Hof-Preise für Kakao staatlich festgelegt, sodass die höheren Preise erst zeitversetzt und nur teilweise an die Farmer*innen weitergegeben wurden.

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Die Schokoladenindustrie reagierte hingegen schnell. Unternehmen entwickelten Strategien, um die gestiegenen Rohstoffkosten abzufedern. So reduzierte der Lebensmittelkonzern Mondelez den Inhalt der Milka-Tafeln von 100 auf 90 Gramm und erhöhte den Preis. Andere Hersteller senkten den Kakaoanteil ihrer Produkte oder setzten verstärkt auf Füllungen zum Beispiel mit Keksen. Parallel investierten Unternehmen wie Nestlé oder Rewe in kakaofreie Alternativen auf Basis von Sonnenblumenkernen. Die Reaktionen der Schokoladenindustrie offenbaren, wo die Prioritäten liegen. Während Risiken entlang der Lieferkette nach unten weitergegeben werden, bleiben Gewinne oben konzentriert.

Kaum zwei Jahre später brachen die Weltmarktpreise auch aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach Kakao dramatisch ein. Laut Internationaler Kakaoorganisation (ICCO) lag der Durchschnittspreis im Januar 2026 bei nur noch 4.972 und war nur zwei Monate später auf 3.241 US-Dollar pro Tonne gesunken. In Ghana und Côte d’Ivoire wurden die staatlich festgelegten Preise für die laufende Erntesaison entsprechend gesenkt. Die Folgen für die Menschen in den Kakaoanbauländern sind gravierend: Während Unternehmen Preisschwankungen strategisch abfedern können, sind Produzent*innen diesen nahezu schutzlos ausgeliefert. „Die Bauern und Bäuerinnen leiden sehr unter den niedrigen Preisen und den hohen Lebenshaltungskosten in der Côte d’Ivoire. Sie haben zu wenig Geld, um ihre Kinder noch in die Schule schicken zu können“, sagt dazu Hélène Kuamé, Geschäftsführerin der Kooperative ECAMOM in Méagui, Côte d’Ivoire, und fügt noch hinzu: „Die Produzenten sind entmutigt. Sie haben viel Arbeit in ihre Plantagen gesteckt und Geld investiert, aber mit dem aktuellen Preis ist der Kakaoanbau nicht rentabel.“

Verpasste politische Chancen 

Die extremen Preisschwankungen sind Folge eines globalen Handelssystems, das auf kurzfristige Preisbildung im Wettbewerb setzt und die tatsächlichen Produktionskosten, die auch die Lebensgrundlage der Menschen am Beginn der Lieferkette absichern, nicht berücksichtigt. In der Folge bleiben Investitionen in nachhaltige Anbaumethoden und Klimaanpassung aus, und das Risiko des Einsatzes von Kinderarbeit und Arbeitsrechtsverletzungen steigt.

Die Phase hoher Weltmarktpreise hätte eine historische Chance geboten: Unternehmen und politische Akteure hätten gemeinsam Wege entwickeln können, um Kakaopreise dauerhaft auf einem Niveau zu stabilisieren, das ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht. Denn dieses ist nicht nur ein entwicklungspolitisches Ziel, sondern ein Menschenrecht. Existenzsichernde Preise ermöglichen es Familien, ihre Produktionskosten zu decken und darüber hinaus in Bildung, Gesundheit, Ernährung und in ihre Farmen zu investieren und auf Kinderarbeit zu verzichten.

Doch diese Chance wurde weitgehend verpasst. Zwar gab es zahlreiche Initiativen, Dialogformate und Ankündigungen. Was fehlt, sind verbindliche Vereinbarungen oder Regulierungen, die Produzent*innen tatsächlich absichern. Politisch könnte auf europäischer Ebene beispielsweise ein Verbot von Preisen unterhalb von Produktionskosten als unlautere Handelspraktik festgeschrieben werden. Anstatt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz immer weiter aufzuweichen, sollte die Bundesregierung die Zahlung von fairen Preisen und verlässlichen Handelsbeziehungen als wesentlichen Hebel für die Risikoprävention im Lieferkettengesetz verankern.

Staatliche Regulierungen bleiben ein entscheidender Treiber für verantwortungsvolles Wirtschaften. Dass die Politik hier aktuell den Rückwärtsgang einlegt, sollte Unternehmen jedoch nicht davon abhalten, Menschenrechtsschutz in ihren Lieferketten konsequent durchzusetzen. Fairtrade und auch das Unternehmen Tony’s Chocolonely haben in den vergangenen Jahren Strukturen geschaffen, die es jedem Unternehmen ermöglichen, einen existenzsichernden Preis an Bauern und Bäuerinnen in ihrer Lieferkette zu bezahlen. Es ist enttäuschend, dass sich bisher kaum ein Unternehmen in Deutschland dazu bereit erklärt hat, diesen wichtigen Hebel zu nutzen. Selbst im „Forum Nachhaltiger Kakao“ hat sich bis letztes Jahr kein Mitgliedsunternehmen zu diesem Schritt bereit erklärt. Die Multi-Stakeholder-Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 90 Prozent der Kakaobauernhaushalte in den Lieferketten der Mitgliedsunternehmen über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen können sollen. Dieses Ziel wird ohne die Absicherung von Kakaopreisen auf einem existenzsichernden Niveau nicht erreichbar sein.

Lidls Vorstoß für ein alternatives Preismodell 

Umso bemerkenswerter ist ein aktueller Vorstoß aus dem Lebensmitteleinzelhandel: Der Discounter Lidl hat angekündigt, Kakaobäuerinnen und -bauern für mindestens fünf Jahre einen existenzsichernden Preis zu garantieren. Das Versprechen gilt für den gesamten Kakao in den Eigenmarken-Tafelschokoladen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden und wird in Kooperation mit Fairtrade umgesetzt.

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Diese Entscheidung ist mehr als ein einzelnes Unternehmensprojekt. Sie widerlegt die oft von Wirtschaft und Politik ins Feld geführte Aussage, dass faire Preise im globalen Wettbewerb nicht durchsetzbar seien. Lidl zeigt das Gegenteil. Wenn der Wille vorhanden ist, lassen sich Preise so gestalten, dass sie Armut reduzieren und strukturelle Probleme wie Kinderarbeit angehen. Natürlich werden wir als zivilgesellschaftliche Organisationen verfolgen, wie Lidl das Versprechen umsetzt und ob Lidl in den kommenden Jahren auch in weiteren Ländern für den Kakao in Tafelschokoladen einen existenzsichernden Preis bezahlen wird.

Entscheidend ist allerdings, dass der Schritt von Lidl kein Einzelfall bleibt. Er muss zum Maßstab für die gesamte Branche werden. Andere Supermärkte und Schokoladenhersteller sind nun gefordert nachzuziehen – ebenso wie politische Entscheidungsträger, die faire Rahmenbedingungen schaffen müssen.

Faire Kakaopreise sind möglich. Die Frage ist nicht mehr, ob – sondern wer bereit ist, sie umzusetzen.

Evelyn Bahn ist Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte und arbeitet bei INKOTA zu Agrarlieferketten. Dieser Artikel erschien auch im Südlink 216.

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