Projekte & Länder

Landzugang ermöglichen

In Vietnam gibt es zahllose Kleinbäuer*innen ohne Land. Ein 2019 angelaufenes Projekt soll dabei helfen, dies zu ändern

von Sarah Grieß
Veröffenticht 18. AUGUST 2020

Viele Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in Vietnam verfügen nur über wenig Land, manche sogar über gar keins – und das, obwohl die Landwirtschaft oftmals ihre einzige Einkommensquelle ist. Doch wie ist das möglich? Im kommunistisch regierten Vietnam ist Grund und Boden in staatlicher Hand. Der Staat vergibt nur Nutzungsrechte für bestimmte Areale, die er jedoch jederzeit wieder entziehen kann. So wie im Distrikt Tuong Duong in der Provinz Nghe An. Hier mussten Kleinbäuer*innen einem Wasserkraftwerk weichen und wurden dafür umgesiedelt. Als Entschädigung wurden ihnen Nutzungsrechte anderer Agrarflächen zugesprochen, die jedoch meistens zu klein und von zu schlechter Qualität sind, um existenzsichernd leben zu können. Manche gingen sogar leer aus und müssen sich heute als Landarbeiter*innen verdingen.

Jahresbericht
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INKOTA-Jahresbericht 2019
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INKOTA-Jahresbericht 2019
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Eine Revolution im Kleinen

Auch der vietnamesische Staat hat erkannt, dass der fehlende Zugang zu Land eines der Hauptarmutsrisiken ist und plant in größerem Umfang landwirtschaftlich nutzbare Flächen speziell an die ärmsten Bevölkerungsgruppen zu übertragen: die ethnischen Minderheiten. Doch die bisherigen Vergabeverfahren haben ihre Tücken: „Bislang werden meist externe Beratungsfirmen beauftragt, die betreffenden Ländereien zu vermessen, zu analysieren und zu bewerten“, sagt Nguyen Van Anh, Direktor der INKOTA-Partnerorganisation CHIASE. „Das kostet sehr viel Geld und lässt sich deshalb nur bedingt in großem Rahmen umsetzen.“ Auch verlaufen diese Vergaben meist wenig transparent und werden selten nach tatsächlicher Bedürftigkeit entschieden. „Die Bevölkerung wird bei der Vergabe nicht miteinbezogen, sodass gerade die Bedürftigsten außen vor bleiben“, so Nguyen Van Anh. In Tuong Duong zählen hierzu einerseits alleinstehende Frauen, andererseits arme, in sehr abgelegenen Gemeinden lebende Bauernfamilien. Deshalb wollen Van Anh und seine Kolleg*innen die bisherige Landvergabepraxis von Grund auf ändern – und hoffen, dass ihr Ansatz bald Standard im ganzen Land wird.

Landzugang durch Mitbestimmung

Im November 2019 ist hierfür ein von INKOTA finanziertes Pilotvorhaben gestartet. In zwei Gemeinden von Tuong Duong wird der Staat fast 5.000 Hektar für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stellen. CHIASE hat sich mit Vertreter*innen der lokalen Bevölkerung und örtlichen Regierungsbeamt*innen an einen Tisch gesetzt und Vorschläge zur Vergabe des Landes erarbeitet. Das neue Verfahren ist transparenter, unbürokratischer, partizipativer und ohne teure Beraterhonorare zudem auch deutlich günstiger als das bisherige, wodurch perspektivisch sehr viel mehr Flächen vergeben werden können. Ziel ist, dass diejenigen Land bekommen, die es am dringendsten benötigen – damit am Ende der Projektlaufzeit alle Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in den Projektgemeinden ausreichend Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem Land haben.

Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen

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