Magali de Jesús Soto Cruz aus der Gemeinde San Ildefons zeigt uns 2018 stolz ihren tierärztlichen Salon
In eigener Sache

Mit Frauenpower in die Unabhängigkeit

Nicaragua: Seit 25 Jahren arbeiten wir mit unserer Partnerorganisation Xochilt Acalt, einem Ort der Emanzipation

von Isabell Nordhausen
Veröffenticht 3. NOVEMBER 2021

„Früher steckte ich in meiner Küche fest und hatte keine Zeit für mich“, erzählt Berna Gómez. „Doch heute bin ich eine Frau, die entscheiden kann. Meine Worte haben Gewicht – zu Hause und auch überall sonst!“ Berna Gómez war eine einfache Kleinbäuerin, als sie zum ersten Mal an einer Ausbildung des Frauenzentrums Xochilt Acalt in Malpaisillo in Nicaragua teilnahm. Heute ist sie eine ausgebildete und anerkannte Tierärztin. Und damit ist Berna Gómez nicht alleine, denn so wie ihr geht es in und um Malpaisillo vielen Frauen, dank der Arbeit von Xochilt Acalt.  

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50 Jahre INKOTA - 25 Jahre Frauenpower mit Xochilt Acalt

50 Jahre INKOTA im Jahr 2021 bedeutet auch: 25 Jahre Projektzusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation Xochilt Acalt (zu Deutsch: „Blume des Zuckerrohrs“). Seit 1996 arbeiten wir erfolgreich mit dem Frauenzentrum zusammen, haben Xochilt Acalt über all die Jahre begleitet und im Laufe der Zeit fast all ihre Arbeitsbereiche unterstützt. Wir förderten Alphabetisierungskampagnen (in den 1990er Jahren), unterstützten den Wiederaufbau nach Hurrikan Mitch (1998) und halfen dabei, Landfrauen ökonomisch und in ihrem bürgerschaftlichen Engagement zu stärken (2000-2019). In den vergangenen Jahren ist der fortschreitende Klimawandel nun immer mehr ins Zentrum der Arbeit von Xochilt Acalt gerückt, weshalb in dem aktuell von INKOTA unterstützten Projekt die zunehmende Wasserknappheit in der Region bekämpft wird. All diese verschiedenen Projekte hatten immer ein gemeinsames Ziel: die Unabhängigkeit von Frauen stärken.

Mit praxisorientiertem Wissen und Selbstversorgung zum gesellschaftlichen Wandel

In einem stark patriarchal geprägten Land wie Nicaragua war es für die Frauen von Malpaisillo alles andere als einfach, Anerkennung ihrer Fähigkeiten und Rechte von Männern zu erlangen. So ist es für Xochilt Acalt wichtig, Frauen durch Bildung selbst zu ermächtigen und ihnen gleichzeitig Mittel an die Hand zu geben, um sich wirtschaftlich von den Männern unabhängig zu machen. Zentral hierfür ist das Veterinärtechnikerinnenprogramm, das aus Kleinbäuerinnen Tiermedizinerinnen macht.

Dabei haben zwei Ansätze die Teilnehmerinnen des Programms stark gemacht: Zum einen wurden den Landfrauen Kenntnisse über die Tierhaltung und Landwirtschaft vermittelt und dringend notwendig Produktionsmittel zur Verfügung gestellt. Die Kleinbäuer*innen wussten zunächst oft zu wenig über die optimale Tierhaltung – so war die Tiersterblichkeit bei Krankheiten und Geburten anfänglich sehr hoch. Unter anderem artgerechte Ställe und gezielte Zuchtplanung brachten Besserung.  

Zum anderen wurde ein Netzwerk von Veterinärtechnikerinnen aufgebaut. Die ausgebildeten Promotor*innen kommen aus den Projektgemeinden und stellen eine schnelle und nachhaltige Versorgung der Tiere im ländlichen Raum sicher. Dadurch wird die Tiersterblichkeit verringert und die viehwirtschaftliche Produktion gesteigert.

Gegen Widerstände in die Unabhängigkeit

Anfangs sträubten sich viele Männer gegen das neue Selbstbewusstsein der Frauen. Viele weigerten sich, die ausgebildeten Promotorinnen bei der Erkrankung eines ihrer Tiere aufzusuchen und um Rat zu bitten. Auch die anfänglichen Experimente der Frauen mit Methoden des ökologischen Landbaus wurden von vielen nur abschätzig belächelt – bis die Frauen höhere Erträge erzielten als die Männer. Nachdem die Frauen erfolgreich Hühner und Ziegen gezüchtet hatten, meisterten sie eine Männerdomäne: die Rinderzucht. Vorher hieß es bei vielen Männern: „Eine Frau kann niemals mit Kühen umgehen, geschweige denn eine eigene Kuh besitzen“. Die Männer (und auch viele Frauen) lernten schnell, dass Frauen dies sehr wohl können! Und nach der Ausbildung zu Veterinärtechnikerinnen konnten sie mehr als nur „mit Kühen umgehen“: Für Injektionen, kleinere Operationen und Kastrationen muss nun kein Tierarzt mehr aufgesucht und bezahlt werden.

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Video über die Arbeit des unabhängigen Frauenzentrums Xochilt Acalt in Nicaragua, mit dem INKOTA seit 1996 zusammenarbeitet.

Aus dem Spott und ungläubigem Lächeln der Männer wurde Staunen, Achtung und Respekt. Mehrere Frauen erzählen, dass ihre Männer sie neuerdings sogar im Haushalt unterstützen. Das kommt einer familiären Revolution schon sehr nahe. Ebenso, wenn Männer die Kinder hüten, während die Frauen „mal wieder bei einer Weiterbildung von Xochilt Acalt sind“. Das Konzept von Xochilt Acalt ging auf: Die Frauen erzielen für sich, ihre Kinder und Familien ein verbessertes Einkommen und sie sind durch die erhaltenen Ausbildungen selbstbewusster geworden. An diesen Frauen kommt in der Familie und in der Gemeinde niemand mehr vorbei. Auch in den Gemeinderäten und -komitees von Malpaisillo – früher reine Männerdomänen – mischen Frauen des Zentrums selbstbewusst immer stärker mit.

Biographien, die den Erfolg beweisen

Ein lebender Beweis für den Erfolg des Ansatzes von Xochilt Acalt ist auch Inés García Rojas, die heute Mitglied des vierköpfigen Direktionskreises ist. Mit 19 Jahren war sie Analphabetin und bereits Mutter von drei Kindern, als sie selbst bei Xochilt Acalt zum ersten Mal an einer Fortbildung teilnahm. Gut 20 Jahre und etliche Schulungen später, ist sie eine hoch qualifizierte Führungskraft, die zudem bestens Bescheid weiß über die lokalen Gegebenheiten und Problematiken. Xochilt Acalt hat es geschafft in einer sehr trockenen und abseits gelegenen Region von Nicaragua eine Oase sozialer Gerechtigkeit zu schaffen. So können Frauen, die zuvor gesellschaftlich diskriminiert und unterdrückt wurden, nun selbstbestimmt in einen Kreislauf des Überlebens eintreten.

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Ein lebender Beweis für den Erfolg des Ansatzes von Xochilt Acalt ist auch Inés García Rojas, die heute Mitglied des vierköpfigen Direktionskreises ist. Mit 19 Jahren war sie Analphabetin und bereits Mutter von drei Kindern, als sie selbst bei Xochilt Acalt zum ersten Mal an einer Fortbildung teilnahm. Gut 20 Jahre und etliche Schulungen später, ist sie eine hoch qualifizierte Führungskraft, die zudem bestens Bescheid weiß über die lokalen Gegebenheiten und Problematiken. Xochilt Acalt hat es geschafft in einer sehr trockenen und abseits gelegenen Region von Nicaragua eine Oase sozialer Gerechtigkeit zu schaffen. So können Frauen, die zuvor gesellschaftlich diskriminiert und unterdrückt wurden, nun selbstbestimmt in einen Kreislauf des Überlebens eintreten.

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