In eigener Sache

Sieg der Gerechtigkeit

Nach den Katastrophen von Rana Plaza, Tazreen und Ali Enterprises kämpfte INKOTA für Entschädigungen und Gerechtigkeit

von Berndt Hinzmann
Veröffentlicht 13. APRIL 2022

Dieser Text ist Teil einer Artikelreihe, die zum 50. Geburtstag von INKOTA erschienen ist. Wir blicken darin auf einige unserer wichtigsten Erfolge zurück.

Es waren Katastrophen, die die Welt erschütterten. Als die Textilfabrik Ali Enterprises in Pakistan am 11. September 2012 abbrannte, starben 258 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Vergitterte Fenster, defekte Feuerlöscher, lediglich ein enges Treppenhaus und Notausgänge, die ins Nichts führten, machten die Fabrik zur tödlichen Falle für die Arbeiter*innen. Die Fabrik hatte fast ausschließlich für den Textil-Discounter Kik produziert. Nur wenige Wochen später ereignete sich am 24. November 2012 ein Brand in der Tazreen-Kleiderfabrik in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs. Mindestens 117 Menschen starben und über 200 wurden verletzt. Und schließlich stürzte am 24. April 2013 der Fabrikkomplex Rana Plaza in Sabhar in Bangladesch ein. 1135 Menschen starben und 2438 wurden verletzt, vor allem Textilarbeiterinnen. Bereits am Vortag wurden Risse in der Gebäudestruktur entdeckt. Die Fabrik, von der aus Textilunternehmen in aller Welt beliefert wurden, blieb jedoch geöffnet.

INKOTA wies schon lange auf die strukturellen Missstände und Menschenrechtsverletzungen in den globalen Textillieferketten hin. Mit Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und anderen Gruppen haben wir uns deshalb in der Kampagne für Saubere Kleidung zusammengeschlossen. In dem internationalen Bündnis setzen wir uns für die Rechte der Arbeiter*innen und bessere Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungsindustrie ein. Doch die beständige Kritik wurde lange ignoriert. Die großen europäischen und nordamerikanischen Textilunternehmen verweigerten schlichtweg Verantwortung für die katastrophalen Zustände in den Zuliefererbetrieben zu übernehmen.

Dieser Text ist Teil einer Artikelreihe, die zum 50. Geburtstag von INKOTA erschienen ist. Wir blicken darin auf einige unserer wichtigsten Erfolge zurück.

Es waren Katastrophen, die die Welt erschütterten. Als die Textilfabrik Ali Enterprises in Pakistan am 11. September 2012 abbrannte, starben 258 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Vergitterte Fenster, defekte Feuerlöscher, lediglich ein enges Treppenhaus und Notausgänge, die ins Nichts führten, machten die Fabrik zur tödlichen Falle für die Arbeiter*innen. Die Fabrik hatte fast ausschließlich für den Textil-Discounter Kik produziert. Nur wenige Wochen später ereignete sich am 24. November 2012 ein Brand in der Tazreen-Kleiderfabrik in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs. Mindestens 117 Menschen starben und über 200 wurden verletzt. Und schließlich stürzte am 24. April 2013 der Fabrikkomplex Rana Plaza in Sabhar in Bangladesch ein. 1135 Menschen starben und 2438 wurden verletzt, vor allem Textilarbeiterinnen. Bereits am Vortag wurden Risse in der Gebäudestruktur entdeckt. Die Fabrik, von der aus Textilunternehmen in aller Welt beliefert wurden, blieb jedoch geöffnet.

INKOTA wies schon lange auf die strukturellen Missstände und Menschenrechtsverletzungen in den globalen Textillieferketten hin. Mit Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und anderen Gruppen haben wir uns deshalb in der Kampagne für Saubere Kleidung zusammengeschlossen. In dem internationalen Bündnis setzen wir uns für die Rechte der Arbeiter*innen und bessere Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungsindustrie ein. Doch die beständige Kritik wurde lange ignoriert. Die großen europäischen und nordamerikanischen Textilunternehmen verweigerten schlichtweg Verantwortung für die katastrophalen Zustände in den Zuliefererbetrieben zu übernehmen.

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Am 28. und am 30. Oktober rollen feuerrote Velo-Taxis mit der Aufschrift „In einer Kik-Jeansfabrik verbrannten hunderte Menschen – Make Kik Pay“ durch Berlin. Mit der Aktion fordern INKOTA, die Kampagne für Saubere Kleidung und internationale Partner den Textildiscounter Kik auf, die Opfer des Fabrikbrandes von Ali Enterprises in Pakistan angemessen zu entschädigen.

Auch nach den Katastrophen von Ali Enterprises, Tazreen und Rana Plaza schien es, als wolle die Branche schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch die internationale Empörung und der Ruf nach Entschädigungen und einem strukturellen Wandel in der Kleidungsindustrie ebbte nicht ab.

Bangladesch Accord: Meilenstein für faire Kleidung

Ein bedeutsamer Schritt war die Unterzeichnung des „Abkommens für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch“ (kurz: Bangladesch Accord) am 15. Mai 2013. Mit der Kampagne für Saubere Kleidung setzte sich INKOTA für das gesetzlich bindende Abkommen ein. Auch die Politik, internationale Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation und progressive Unternehmen unterstützten das Abkommen. Die internationalen Gewerkschaften IndustriALL und UNI Global, Gewerkschaften in Bangladesch sowie internationale Marken und Einzelhändler unterschrieben schließlich den Bangladesch Accord. Mit dem Abkommen wurden unter anderem Untersuchungen der Gebäudesicherheit und regelmäßige Kontrollen von Fabriken festgeschrieben.

Das Abkommen ist richtungsweisend für strukturelle Verbesserungen innerhalb globaler Lieferketten. Als positives Beispiel spielte eine wichtige Rolle in der Diskussion über Sorgfaltspflichten bei den Vereinten Nationen oder der OECD und um das deutsche Lieferkettengesetz. Die fünf Schlüsselelemente des Abkommens sind bis heute richtungsweisend, auch für Initiativen wie das Textilbündnis oder dem Lieferkettengesetz. Es

  • ist gesetzlich bindend
  • verfolgt einen Multi Stakeholder Ansatz unter Einbeziehung der Gewerkschaften und Interessensvertretung der Beschäftigten
  • wird unabhängig überprüft, ob das Abkommen eingehalten wird, wobei Arbeiter*innen mit einbezogen werden
  • wird offen und transparent über die Inspektionen und die Verbesserungen sowie deren Wirkung berichtet
  • werden finanzielle Ressourcen und Expertise für die Umsetzung sichergestellt

Ein zweiter Erfolg der internationalen Kampagnen nach den Katastrophen von Ali Enterprises, Tazreen und Rana Plaza waren die Entschädigungszahlungen. Nach internationalem Druck und Kampagnen willigten die verantwortlichen Unternehmen ein, die Opfer und Hinterbliebenen zu entschädigen.

Es ist ein Tag des Aufatmens für die Angehörigen der Opfer, denn ihr Schmerz und ihre Schreie wurden erhört. Wir wissen, dass unsere Liebsten nie wieder zu uns zurückkehren werden, aber wir hoffen, dass so eine Tragödie in Zukunft nie wieder passiert. Die Regierung, Unternehmen und Fabrikeigentümer müssen die Arbeitsrechte und Sicherheitsbestimmungen für Fabriken einhalten.
Saeeda Khatoon,
Sie verlor bei dem Brand ihren einzigen Sohn und ist heute Vize-Vorsitzende der Vereinigung für Betroffene des Ali Enterprises Fabrikbrands..

Ohne die Unterstützung vieler Bürger*innen wären diese Erfolge nicht möglich gewesen. Das ist ein Beweis dafür, dass solidarisches Handeln etwas verändern kann. Mit öffentlichen Protestaktionen vor den Filialen der verantwortlichen Markenfirmen, Online-Aktionen und Petitionen haben wir als INKOTA sowie Menschen weltweit die Textilunternehmen immer wieder aufgefordert, Entschädigungen zu zahlen. Dazu haben auch die Velo-Taxi-Aktionen #MakeKiKPay der INKOTA-Aktionsgruppe in Berlin anlässlich der Jahrestage beigetragen oder unsere zahlreichen Gespräche im Bundestag, in Ministerien und mit Journalisten.

Karamat Ali vom Pakistan Institute of Labour Education & Research (PILER), das die Interessensvertretung der Opfer in Pakistan übernimmt, betont den Erfolg der Kampagnen, jedoch auch die noch bestehenden Schwierigkeiten: „Dennoch werden wir weiter kämpfen müssen für das Recht auf eine lebenslange Rente, gegen Kürzungen und für ein ausreichendes soziales Sicherungssystem. Dazu muss sich auch die Umsetzung des Arbeitsrechtes deutlich verbessern.  Um sichere Arbeitsplätze zu erreichen, müssen u.a. die Inspektionen der Betriebe verbessert werden.“ Das sind Themen, die bei der aktuellen Diskussion um die Umsetzung des Lieferkettengesetzes, aber auch angesichts der katastrophalen Auswirkungen der Covid19-Pandemie, weiter hochaktuell sind. Es bleibt noch ein weiter Weg zu gehen.

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