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Organischer Tee: Auf einem Hektar Land stellen Kleinbäuerinnen und ‑bauern in Vietnam ein Jahr lang das Volksgetränk für ihre Landsleute her – fair und nachhaltig.

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Sarah Grieß

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Ethnische Minderheiten in Zentralvietnam stärken

Mit Agrarökologie und mehr Mitbestimmung zur besseren Ernte

Wer glaubt, dass Wasserkraftwerke nichts mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft zu tun haben können, sollte mal nach Vietnam reisen. Dort wurden in den letzten Jahren über 400 dieser Ungetüme gebaut, um das rasante Wirtschaftswachstum des Landes aufrecht zu erhalten. Denn das Erschließen neuer Energiequellen ist dafür immer wichtiger. Die besondere Krux dabei aber ist: Die Kraftwerke wurden meist in Gebieten errichtet, die von ethnischen Minderheiten bewohnt werden.

Auch auf dem Land, auf dem sich früher einmal das Dorf des Kleinbauern Luong Thanh Hai befand, steht jetzt ein solches Wasserwerk. Er selbst und alle anderen BewohnerInnen wurden deshalb 2008 von der vietnamesischen Regierung umgesiedelt. An einen Ort, der 200 Kilometer weit von ihrer Heimat entfernt liegt. „Es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht zurücksehnen“, sagt Luong Thanh Hai. Dass sie als Angehörige der ethnischen Minderheit der Thai nun in einem Distrikt im nördlichen Zentralvietnam gelandet sind, in dem niemand ihre Sprache spricht, macht es nicht unbedingt einfacher.

Umsiedlungen als Armutsrisiko

Doch es ist nicht nur der Verlust der Heimat, der schmerzt. Mindestens genauso problematisch ist die miserable ökonomische Situation, in die sie durch die Umsiedlung geraten sind. Die Ländereien, die ihnen als Entschädigung zur Verfügung gestellt wurden, sind viel kleiner und von schlechterer Qualität als diejenigen, sie sie früher bewirtschaftet haben. Zudem haben sie eine andere Beschaffenheit, sodass sich bisherige Anbaumethoden nicht so einfach fortführen lassen. „Wir waren geschockt, als wir das erste Mal hierherkamen. Alles sah ganz anders aus als in unserem Heimatdorf.“

Obwohl alle BewohnerInnen der neu gegründeten Ngoc Lam Gemeinde von der Landwirtschaft leben, ist diese nicht mehr in der Lage, sie ausreichend zu ernähren. Die Armutsrate beträgt rund 84 Prozent, im Vergleich zum Landesdurchschnitt von nur noch 10 Prozent ein dramatischer Wert. Die staatlichen Unterstützungsprogramme konnten bislang wenig Verbesserungen erzielen, da sie den spezifischen Bedürfnissen der Thai-Minderheit zu wenig Beachtung schenkten.

Mit indigenem Wissen und einheimischem Saatgut nachhaltig wirtschaften

Dagegen unternimmt die INKOTA-Partnerorganisation CHIASE – The Center of Help for Indigenous value promotion And Sustainable Environment – etwas. Durch lokal angepasste Anbau- und Viehzuchtmethoden und die Gründung kleiner Erzeugergemeinschaften unterstützen sie fünf Dörfer der Gemeinde Ngoc Lam dabei, ihre kleinen Anbauflächen nachhaltiger zu bewirtschaften und ihr Einkommen so um bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Besondere Berücksichtigung erfährt dabei das traditionelle Wissenssystem der Thai sowie ein agrarökologischer Ansatz.

Mit organischem Dünger, einheimischem Saatgut und neuen Techniken der Bewirtschaftung erschließen sich die kleinbäuerlichen Familien eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Form der Landwirtschaft. Dabei werden verschiedene Einkommens- und Selbstversorgungsmöglichkeiten kombiniert, wie Reisanbau, Tee- und Akazienanpflanzung sowie Bienen-, Hühner- und Schweinezucht. Dieser Ansatz erzielt auch auf kleinsten Parzellen Erträge und schützt zugleich die natürlichen Ressourcen. Darüber hinaus stößt CHIASE einen Dialog mit lokalen RegierungsvertreterInnen an, um die Stimme der ethnischen Minderheiten zu stärken und darauf hinzuwirken, dass sich staatliche Maßnahmen zur Armutsreduzierung künftig stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren. Auch ein Netzwerk landwirtschaftlicher BeraterInnen wird aufgebaut.

„Besonders schätze ich an der Arbeit von CHIASE, dass sie neue Anbautechniken mit dem traditionellen Wissen der Thai gezielt verbinden. Dadurch trägt die Projektarbeit nicht nur zu einer Verbesserung der ökonomischen Lebensbedingungen bei, sondern stärkt auch die Identität und das Selbstbewusstsein der Menschen, die bislang eher marginalisiert werden.“ - Sarah Grieß,  INKOTA-Projektreferentin für Südostasien

Bei einem Treffen der neu gegründeten Teegruppe im Dorf Ban Muong stellen die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen ihren Arbeitsplan für die kommenden Monate vor.
Hühnerzucht im Dorf Ban Hien.
Kha Thi Xoan (li.) und Vi Van Xan, zwei der Projektteilnehmenden, führen durch ihr Dorf Ban Hien.
Kleinbauern im Dorf Ban Muong zeigen dem CHIASE-Projektteam ihre Teeplantagen.
Schweinezucht im Dorf Ban Hien.
Knospenfrüchte der Teesträucher in Ban Muong.
Blick über die Teehügel der Ngoc Lam Gemeinde (Dorf Ban Muong).
VertreterInnen des Dorfes Ban Hien diskutieren mit dem CHIASE-Projektteam die nächsten Schritte.
ProjektbezeichnungStärkung ethnischer Minoritäten zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und eines nachhaltigen Managements natürlicher Ressourcen
OrtFünf Dörfer der Gemeinde Ngoc Lam, Distrikt Thanh Chuong, Provinz Nghe An, Vietnam
PartnerorganisationCHIASE –  Center of Help for Indigenous value promotion And Sustainable Environment
LaufzeitJuli 2018 bis Juni 2021
Kosten203.915 Euro
Spendenbedarf26.547 Euro
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