Kampagnen & Aktionen

Gerecht geht anders

Die Debatte um Elektromobilität haben wir 2019 kritisch begleitet

von Schurath und Siever
Veröffenticht 12. AUGUST 2020

Ob bei Bundesregierung, Unternehmen oder der Zivilgesellschaft: Die Mobilitätswende ist mittlerweile in allerlei Munde. Von einem gemeinsamen Verständnis sind wir aber noch weit entfernt. Wie kann eine Verkehrswende global gerecht gelingen? Ist ein Antriebswechsel allein eine Lösung? Und wie können die Menschenrechte von Arbeiter*innen beim Rohstoffabbau oder entlang der Lieferketten für Autobatterien wirksam geschützt werden? Mit diesen Fragen hat INKOTA die von Politik und Wirtschaft proklamierte Wende 2019 kritisch hinterfragt.

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen aus dem globalen Süden und Norden konnten wir 2019 einige Weichen stellen: Die Themen Rohstoffverbrauch und Menschenrechte werden nun endlich mit der Mobilitätswende zusammengebracht. Inzwischen ist vielen Menschen klar: Autos sind für den Klima-, Umwelt- und Menschenrechtsschutz keine Hilfe. Sie verbrauchen Unmengen Rohstoffe, die unter teils katastrophalen Bedingungen abgebaut werden.

Für uns gibt es deshalb nur eine stimmige Antwort: Weniger Autos bei gleichzeitig wirksamem Schutz von Menschenrechten und Umwelt entlang der globalen Wertschöpfungsketten.

Jahresbericht
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INKOTA-Jahresbericht 2019
Jahresbericht
INKOTA-Jahresbericht 2019
Der Start der Initiative Lieferkettengesetz, eine Spendenaktion für Mosambik, nach den verheerenden Zerstörungen durch den Zyklon Idai, eine innovative Crowdfunding-Kampagne zur Produktion nachhaltiger T-Shirts, das Veranstalten einer Konferenz zur Situation in Nicaragua mit zahlreichen oppositionel...

11.000 kritische Nachfragen – wenige Antworten

Doch die großen deutschen Autobauer sehen das weiterhin anders. Das zeigen die Reaktionen der Konzerne auf unsere 2019 umgesetzte Online-Aktion „Frag nach: Wie gerecht ist die Herstellung von Elektro-Autos?“. Gemeinsam mit tausenden Unterstützer*innen wollten wir von den Autoproduzenten wissen, wo sie ihre Rohstoffe zum Bau von Elektroautos einkaufen und ob entlang ihrer Lieferketten die Menschenrechte gewahrt werden.

Auf die rund 11.000 versendeten Mails gaben nur vier von elf angefragten Unternehmen inhaltliche Antworten. Citroën, Peugeot, Ford, KIA Motors und Toyota reagierten überhaupt nicht. Jaguar/Land Rover und Audi antworteten, dass sie keine Stellungnahme zu den Fragen abgeben werden. Eine transparente Unternehmenskommunikation über Initiativen zur Wahrung der Menschenrechte spielt in diesen Unternehmen offenbar eine untergeordnete Rolle. Als unmittelbare Folge der Aktion konnten jedoch bilaterale Dialoge mit drei großen Unternehmen der Automobilbranche geführt werden.

Starke Stimme aus dem globalen Süden

Im November 2019 erhielten wir wichtigen Besuch aus der DR Kongo. Gemeinsam mit dem Rohstoffexperten Jacques Nzumbu Mwanga von unserer Partnerorganisation CARF veranstalteten wir eine Gesprächsreise durch Deutschland. Damit haben wir menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfalt in den Kobalt-Lieferketten für Elektroautos in Deutschland mehr Gehör verschafft. In Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten, Vertreter*innen der Automobilindustrie und der Zivilgesellschaft erarbeiteten wir nicht nur präzisere Handlungsansätze, sondern entdeckten auch neue Verbündete.

Kobalt, Kongo, Deutschland – Der Dialog geht weiter

Die Gesprächsreise stieß auch auf politischer Ebene auf sehr positive Resonanz. Dies ebnete die Basis für eine weiterführende Zusammenarbeit mit der deutschen Politik bei den Ende 2019 begonnenen bilateralen Regierungsverhandlungen mit der DR Kongo. Die Gespräche sind einer der wenigen Hebel der Bundesregierung, um etwa auf eine wirksame Umsetzung der neuen Bergbaugesetze in der DR Kongo, die Rechte von Kleinschürfer*innen und die Unterstützung von Kooperativen Einfluss zu nehmen.

Ende 2019 entschieden wir uns zudem, an einem von der Bundesregierung initiierten Branchendialog der Automobilindustrie teilzunehmen, bei dem es um die wirksame Wahrung von Menschenrechten in den Lieferketten gehen soll. Dieser Branchendialog Automobil ist eingebettet in den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte. Gemeinsam mit unseren kongolesischen Partnerorganisationen werden wir uns 2020 auch dort für eine gerechte Mobilitätswende einsetzen – insbesondere für zugängliche Beschwerdemechanismen.

Daimler, BMW & Co – wie gerecht sind eure Lieferketten?

Was die Autohersteller geantwortet haben

Transparente Lieferketten: Dringender Handlungsbedarf bei interner Kenntnis und externer Kommunikation

Keines der Automobilunternehmen antwortete umfassend auf die Frage nach der Herkunft seiner verwendeten Rohstoffe. Für einige Rohstoffe wurde lediglich angegeben, in welchen Schmelzen sie verarbeitet wurden, nicht aber aus welchen Abbauregionen und Minen sie stammen.

Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfalt: Große Worte, hohe Ziele – Wirkung unbekannt

Die wenigen Unternehmen, die ausführlich antworteten, haben bereits eine eigene Unternehmenspolitik zu Menschenrechten etabliert. Allerdings geht die Umsetzung nur schleppend voran: Nur einzelne Rohstoff-Lieferketten sind teilweise erforscht. Eine systematische Auswertung der Wirkung dieser Politiken fehlt bisher gänzlich.

Die antwortenden Unternehmen beteiligen sich darüber hinaus bereits an Industrie-Initiativen, die durch gemeinsame Standards und Strategien Lieferketten nachhaltiger gestalten wollen. Ob diese Initiativen irgendeinen Nutzen für die Bevölkerung in den Abbaugebieten haben, ist bislang unbekannt.

Was wir fordern: Transparenz und Konsequenz

Die genaue Kenntnis der eigenen Lieferkette ist die Voraussetzung für menschenrechtliche Sorgfalt. Nur wenn die Unternehmen wissen, woher die von ihnen verarbeiteten Produkte stammen und menschenrechtliche Risiken gründlich untersuchen, können sie die Menschenrechte der Arbeiter*innen vor Ort achten. Sie müssen untersuchen: Werden Arbeiter*innen fair bezahlt? Werden Kinder geschützt? Gibt es Beschwerdemechanismen, die einfach zugänglich sind?

Zudem müssen sie umfassend und transparent darüber berichten. Nur so können unabhängige Akteur*innen bewerten, ob die Menschenrechte entlang der Lieferkette eingehalten werden. Wenn Missstände auftauchen, müssen die Unternehmen sofort Maßnahmen ergreifen und ihre Wirksamkeit regelmäßig überprüfen, um die Situation der Menschen zu verbessern.

Daimler, BMW & Co – wie gerecht sind eure Lieferketten?

Was die Autohersteller geantwortet haben

Transparente Lieferketten: Dringender Handlungsbedarf bei interner Kenntnis und externer Kommunikation

Keines der Automobilunternehmen antwortete umfassend auf die Frage nach der Herkunft seiner verwendeten Rohstoffe. Für einige Rohstoffe wurde lediglich angegeben, in welchen Schmelzen sie verarbeitet wurden, nicht aber aus welchen Abbauregionen und Minen sie stammen.

Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfalt: Große Worte, hohe Ziele – Wirkung unbekannt

Die wenigen Unternehmen, die ausführlich antworteten, haben bereits eine eigene Unternehmenspolitik zu Menschenrechten etabliert. Allerdings geht die Umsetzung nur schleppend voran: Nur einzelne Rohstoff-Lieferketten sind teilweise erforscht. Eine systematische Auswertung der Wirkung dieser Politiken fehlt bisher gänzlich.

Die antwortenden Unternehmen beteiligen sich darüber hinaus bereits an Industrie-Initiativen, die durch gemeinsame Standards und Strategien Lieferketten nachhaltiger gestalten wollen. Ob diese Initiativen irgendeinen Nutzen für die Bevölkerung in den Abbaugebieten haben, ist bislang unbekannt.

Was wir fordern: Transparenz und Konsequenz

Die genaue Kenntnis der eigenen Lieferkette ist die Voraussetzung für menschenrechtliche Sorgfalt. Nur wenn die Unternehmen wissen, woher die von ihnen verarbeiteten Produkte stammen und menschenrechtliche Risiken gründlich untersuchen, können sie die Menschenrechte der Arbeiter*innen vor Ort achten. Sie müssen untersuchen: Werden Arbeiter*innen fair bezahlt? Werden Kinder geschützt? Gibt es Beschwerdemechanismen, die einfach zugänglich sind?

Zudem müssen sie umfassend und transparent darüber berichten. Nur so können unabhängige Akteur*innen bewerten, ob die Menschenrechte entlang der Lieferkette eingehalten werden. Wenn Missstände auftauchen, müssen die Unternehmen sofort Maßnahmen ergreifen und ihre Wirksamkeit regelmäßig überprüfen, um die Situation der Menschen zu verbessern.

Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen

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