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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

als wir anfingen, diese Ausgabe zu planen, war unser erster Impuls für den Titel „Zentralamerika: Eine Region im Bann der Gewalt“. Kein Wunder, gehören doch die drei Länder des sogenannten „nördlichen Dreiecks“, Guatemala, Honduras und El Salvador, zu den gewalttätigsten des Kontinents. Gleich mehrmals in den letzten Jahren hat El Salvador die kontinentale und sogar die globale Gewaltstatistik angeführt. Aus allen drei Ländern machen sich Jahr für Jahr mindestens 500.000 Menschen auf in Richtung USA, zuletzt in größeren Karawanen, um auf dem gefährlichen Weg besser geschützt zu sein. Nicht alle fliehen vor der Gewalt, doch alle hoffen auf ein besseres Leben.

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Südlink - Zentralamerika in Bewegung
Südlink 187 - März 2019
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Südlink - Zentralamerika in Bewegung
Südlink 187 - März 2019
Zentralamerika, eine Region im Bann der Gewalt? Ja, aber nicht nur. Beeindruckend ist auch die Mobilisierung der Menschen, die sich gegen Unrecht und Unterdrückung auflehnen. Guatemala, Honduras und El Salvador gehören zu den gewalttätigsten Ländern Lateinamerikas. Und nach dem Beginn der Proteste g...

Auch Nicaragua, das lange Zeit deutlich weniger Gewalttote zu verzeichnen hatte, versank im vergangenen Jahr in Gewalt, als der autoritäre Präsident Daniel Ortega zunächst völlig friedlich verlaufende Proteste gegen eine Rentenreform niederschießen ließ und Schlägertrupps der Jugendorganisation der regierenden FSLN Jagd auf die Demonstrant*innen machten. Je nach Schätzung kamen bei den Zusammenstößen zwischen 300 und über 500 Menschen ums Leben. Längst nicht nur, doch in der großen Mehrheit unbewaffnete Protestierende.

Im Bann der Gewalt also? Ja, aber nicht nur. Zentralamerika ist auch eine Region, in der es immer wieder Menschen gibt, die sich mit der Herrschaft kleiner Eliten nicht abfinden und gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung aufbegehren. Schon seit ersten Guerillaaktivitäten gegen die spanischen Kolonialherren war und ist dies oft Widerstand gegen ausländische Mächte: zum Beispiel gegen die US-Marines, die sich in Nicaragua breitgemacht hatten, gegen die United Fruit Company, die Honduras und Guatemala in Bananenrepubliken verwandelt hatten, oder gegen internationale Bergbaukonzerne, die heute gleich in mehreren Ländern ohne Rücksicht auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen Edelmetalle abbauen wollen.

Vor allem aber gegen die wirtschaftlichen Eliten im eigenen Land. Skrupellos setzen diese immer wieder ihre eigenen Interessen durch – und gehen dabei brutal gegen all jene vor, die sich nicht mit Landraub, Hungerlöhnen und Rechtlosigkeit abfinden wollen. Die Gewalt von heute ist genauso in der Geschichte Zentralamerikas angelegt wie der Widerstand gegen die Herrschenden.

Eine Region in Bewegung also. Längst nicht immer erreichen diejenigen, die gegen Unrecht und Unterdrückung aktiv werden, ihr Ziel. Die meisten aber zeichnet ein langer Atem aus, der unbedingte Wille weiterzumachen. Kein Wunder, sind es häufig doch höchst existenzielle Themen, die die Menschen bewegen. Das Überleben als LGBTI, die Aufarbeitung schwerster Menschenrechtsverbrechen der Vergangenheit oder der drohende Verlust der eigenen Trinkwasserversorgung durch den Versuch, das Wasser zu privatisieren.

Immer wieder gilt: Die Hoffnung kommt von unten. Einige Beispiele dafür finden Sie in diesem Südlink. Eine bewegende Lektüre wünscht Ihnen
Michael Krämer

Zum Autor

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

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