Das Cover des Südlink 199 zu Klimagerechte Landwirtschaft, auf dem eine Person zu sehen ist, die auf einem Feld Tee pflückt

Liebe Leser*innen,

seit dem Beginn der Grünen Revolution in den 1960er Jahren stößt der weltweite Agrarsektor immer mehr Treibhausgase aus. Schuld daran ist vor allem die seit Jahrzehnten wachsende Tierhaltung. Zum einen stoßen Wiederkäuer im Verdauungsprozess das besonders klimaschädliche Methan aus. Zum anderen werden riesige Flächen Urwalds vor allem für Sojaplantagen zum Anbau von Futtermittel gerodet. Aber auch der hohe Einsatz synthetischer Düngemittel, deren Herstellung äußerst energieintensiv ist, hat einen gehörigen Anteil am Klimawandel.

Insgesamt verursacht die globale Agrar- und Ernährungswirtschaft heute mehr als ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen. Es ist offensichtlich: Ohne eine Verringerung der Emissionen in diesem Bereich sind alle Versuche, die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, zum Scheitern verurteilt. Obwohl die Zahlen auf dem Tisch liegen, wird über das Thema im Rahmen der internationalen Klimapolitik jedoch merkwürdig wenig gesprochen. Dabei ist die Landwirtschaft nicht nur für den Klimawandel mitverantwortlich – sie ist auch enorm von der Klimakrise betroffen.

Magazin
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Südlink - Klimagerechte Landwirtschaft: Ohne Agrarwende geht es nicht
199 – März 2022
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Südlink - Klimagerechte Landwirtschaft: Ohne Agrarwende geht es nicht
199 – März 2022
Die momentan betriebene Landwirtschaft trägt nicht nur stark zum Klimawandel bei. Sie leidet auch selbst enorm unter der sich verschärfenden Klimakrise. Seit Beginn der sogenannten Grünen Revolution sind Landwirtschaft und Tierhaltung immer klimaschädlicher geworden. Heute verantworten sie mehr als ...

Mal regnet es zu wenig, dann regnet es zu viel. Immer häufiger haben Landwirt*innen aufgrund von Wetterextremen Ernteverluste zu beklagen. Vor allem im globalen Süden geben immer mehr Bäuerinnen und Bauern die Landwirtschaft ganz auf. Und häufig bleibt ihnen – wie es Alejandro Alemán für die Länder Zentralamerikas beschreibt – als einziger Ausweg die Migration, der gefährliche Versuch, ohne Papiere in die USA zu gelangen.

Es kann so nicht weitergehen, wir benötigen eine grundlegende Wende im globalen Ernährungssystem. Vehement sträuben sich die Agrar- und Lebensmittelkonzerne gegen notwendige Veränderungen, die ihr Geschäftsmodell beeinträchtigen könnten. Bis heute haben sie viel zu viel Einfluss auf die Politik, die in weiten Teilen noch immer den Einsatz chemischer Dünger und Pestizide fördert. Dabei zeigen sich beispielsweise in Indien, dem einstigen Modellland der Grünen Revolution, die negativen Folgen industrialisierter Landwirtschaft immer stärker. Selbst Monkombu Sambasivan Swaminathan, der als Vater der Grünen Revolution in Indien gilt, warnt inzwischen vor dem hohen Einsatz chemischer Düngemittel.

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Das Gute ist: Eine Wende ist möglich. Immer mehr Studien zeigen, dass eine auf agrarökologischen Ansätzen basierende Landwirtschaft deutlich nachhaltiger und zugleich auch in der Lage ist, die globale Bevölkerung zu ernähren. Dafür benötigen wir jedoch einen Politikwechsel. Einige Elemente dafür benennen Lena Bassermann und Lena Luig in ihrem Einleitungsbeitrag: eine konsequente Neuausrichtung der Subventionspolitik, ein Ende der Förderung von Ansätzen der Grünen Revolution in der Entwicklungszusammenarbeit und eine kartellrechtliche Regulierung zur Beschränkung der Marktmacht besonders großer Agrarkonzerne.

Diese und weitere Schritte hin zu einer klimafreundlicheren Landwirtschaft finden Sie in diesem Dossier.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungs dienstes, von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), durch die Landesstelle für  Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie die Stiftung Nord-Süd-Brücken.
Für den Inhalt dieser Publikation ist allein der INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.

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