So kann Ihre Spende verwendet werden:

40 Euro: Teilnahme einer ArbeiterIn an einem Training

90 Euro: TrainerInhonorar für ein Training mit ArbeiterInnen

1000 Euro: regionale/überregionale Dialogveranstaltung mit relevanten Akteuren (ohne Fahrt- und Übernachtungskosten)

Es geht auch anders!

Menschenrechte und Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Schuhen und Leder

Dialogworkshop zu den Arbeitsbedingungen in der Lederindustrie in Tamil Nadu. Foto: CIVIDEP

In einer stickigen Halle im südindischen Ambur stehen die ArbeiterInnen bis zu den Knien in einer übel riechenden Flüssigkeit und gerben Tierhäute zu Leder – Leder, das später zu Schuhen weiterverarbeitet wird. Ihre eigene Haut leidet aufgrund der verwendeten Chemikalien unter Ekzemen, ihre Augen tränen und immer wieder hört man ein gedrücktes Husten. Und wenn die ArbeiterInnen  am Ende eines langen Arbeitstages das Gelände verlassen, halten sie einen Hungerlohn in der Hand, der bei weitem nicht ausreicht, sich und ihre Familien Existenz sichernd zu versorgen. Dagegen aufbegehren ist gefährlich und erscheint kaum möglich. Die Angst, einfach gefeuert zu werden, ist nicht irreal. Außerdem: An wen sollten sie sich wenden? Eine wirkliche Interessensvertretung oder gar eine Gewerkschaft gibt es oftmals nicht.

Einkaufende Unternehmen in die Pflicht nehmen

Gegen solche Missstände in der indischen Schuh- und Lederproduktion wollen unsere Partnerorganisationen SLD (Society for Labour and Development) und CIVIDEP India (Workers' Rights and Corporate Accountability) etwas unternehmen. Ihr Ziel ist es, in zunächst vier ausgewählten Produktionsstätten die Arbeitsbedingungen maßgeblich zu verbessern. Grundlegende Standards  für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz und Arbeitsrechte sollen eingehalten werden. Dabei wird das Thema Lohn zum Leben, ein existenzsichernder Lohn, nicht ausgeklammert. Im Fokus steht auch die Entsorgung von Abfallstoffen sowie der verwendeten Chemikalien, um zu verhindern, dass das Grundwasser und die Felder in den umliegenden Gemeinden weiter verseucht werden.

Um dies zu erreichen, braucht es das Zusammenspiel verschiedener Akteure. Denn verantwortlich für die miserablen Produktionsbedingungen ist nicht allein der Besitzer der Fabrik. In der Pflicht stehen ebenso die ausländischen Unternehmen, die die Waren zu Billigpreisen kaufen und die indische Regierung, die die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgibt und für die Überprüfung verantwortlich ist.

Und daran setzt INKOTA gemeinsam mit SLD und CIVIDEP an. Durch öffentliche Aktionen in Deutschland, die Veröffentlichung von Rechercheergebnissen über die Produktionsstätten und den kritischen Dialog mit Politik und Wirtschaft erhöhen wir den Druck auf deutsche Unternehmen, endlich ihrer Verantwortung für die Einhaltung von Arbeitsrechten und Umweltstandards in den indischen Produktionsstätten nachzukommen.

"Den Markenunternehmen und Schuhhändlern muss klar sein, welche Auswirkungen ihre Geschäfte auf Frauen und Männder haben, die in armen Verhältnissen leben und sich schlecht wehren können. Die großen Firmen machen sehr viel Profit. Sie müssen ihre Lieferketten nachverfolgen und sicherstellen, dass unter guten Bedingungen für sie gearbeitet wird."



Gopinath Parakuni, Leiter von CIVIDEP. Lesen sie hier das gesamte Interview im INKOTA-Jahresbericht 2017.

ArbeiterInnen und Zivilgesellschaft stärken

In Indien initiieren SLD und CIVIDEP Diskussionsforen und Vernetzungstreffen auf denen die Ergebnisse der Studien und Lösungen mit relevanten Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, sowohl auf lokaler als auch nationaler Ebene diskutiert werden. Besonderen Wert legen die Organisationen darauf, dass die ArbeiterInnen Teil der Veränderung sind. Interessensvertretung und Beteiligung sind Teil einer nachhaltigen Problemlösung. Trainings sind im ersten Schritt ein zentrales Element, um über Arbeitsrechte, gesetzliche Vorgaben zu Gesundheits- und Sozialstandards informiert zu sein, um diese dann auch gemeinsam mit Gewerkschaften einzufordern. Den NROs und der breiten Zivilgesellschaft als „Anwälte“ für die Menschenrechte bei der Arbeit kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Eine starke Zivilgesellschaft ist besonders in aktuellen Zeiten der politischen Beschränkung – shrinking space – notwendig und diese braucht internationale Unterstützung.

"Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich an einem Training für ArbeiterInnen teilnehme. Ich wusste nicht, dass wir als ArbeiterInnen so viele Rechte haben. Durch das Training verstehe ich, dass meine Rechte an meinem Arbeitsplatz verletzt werden. Das Training hat mir Vertrauen gegeben mich dagegen zu wehren und darüber zu sprechen."

Arbeiterin in einer Schuhfabrik in Tamil Nadu.

Mit Expertise für konkrete Veränderung

Als Partner von Change Your Shoes führten und führen SLD und CIVIDEP Studien über die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Produktion durch, um dadurch Transparenz zu schaffen und unsere Forderungen mit konkreten Fakten und Daten belegen zu können. Eine ganze Reihe von Herausforderungen wurden festgestellt. Anhand dieser können wir als Multi-Akteurs-Partnerschaft auch messen, was im Laufe der Zeit  durch unsere Aktivitäten verbessert werden konnte.

Indien ist mit jährlich 2,2 Milliarden Paar gefertigten Schuhen der zweitgrößte Schuhproduzent der Welt, und somit ist das Engagement von SLD und CIVIDEP nicht unbedeutend für die Branche, in der Millionen Menschen beschäftigt sind.

CIVIDEP und SLD können in dieser Partnerschaft auf langjährige Erfahrung aufbauen. Denn seit über 12 Jahren setzen sich die beiden Organisationen für die Menschenrechte bei der Arbeit und Nachhaltigkeit in Nord- und Südindien ein. Mit INKOTA kooperieren sie schon seit mehreren Jahren, bspw. in der Kampagne für Saubere Kleidung – Clean Clothes Campaign und der Kampagne Change Your Shoes.

Eine kleine Schuhwerkstatt im Zentrum von Agra. Diese beschäftigt acht Arbeiter und beliefert den indischen Markt. Foto: NaZemi CYS
Während der Hauptsaison fertigen rund 250 Angestellte Schuhe für Märkte in Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Spanien und Österreich. Foto: NaZemi CYS
Diese Fabrik mit 600 Arbeitern stellt jährlich 400.000 Paar Schuhe her. Der Großteil ist für den Export bestimmt. Foto: NaZemi CYS
Eine der negativen Umweltauswirkungen der Schuhindustrie: die Abfallentsorgung. Foto: NaZemi CYS
Suresh arbeitet in einer Lederschuhwerkstatt. Die Schuhe werden an größere Einzelhändler hauptsächlich nach Europa verkauft. Foto: NaZemi CYS
Dialogworkshop von CIVIDEP India mit ArbeiterInnen der Schuh- und Lederproduktion. Foto: CIVIDEP

Projektdaten

Titel„Zivilgesellschaft stärken für Transparenz und Nachhaltigkeit in der Schuh- und Lederproduktion!“
OrtIndien (Bundesstaaten Tamil Nadu und Uttar Pradesh)
Partner-organisationenCIVIDEP India - Worker's Rights & Corporate Accountability
SLD - Society for Labour and Development
LaufzeitOktober 2017 bis Dezember 2020
Kosten176.288,00 Euro
Gesamt-spendenbedarf80.950,00 Euro
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