Projekte & Länder

Gemeinsame Forderungen für einen nachhaltigen & transparenten Kakaosektor

Zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit in Côte d’Ivoire und Ghana intensiviert

von Juliane Bing
Veröffentlicht 15. AUGUST 2022

Über 60% des weltweiten Kakaos wird in der Côte d’Ivoire und Ghana produziert. Die sozialen und ökologischen Folgen des Kakaoanbaus sind in beiden Ländern ähnlich: die Mehrheit der über zwei Millionen ivorische und ghanaische Kakaobäuer*innen lebt in Armut; die Entwaldung großer Teile des ursprünglichen Regenwaldes schreitet voran; hochgiftige Pestizide werden im Kakaoanbau eingesetzt und Bäuer*innen haben wenig politische Mitsprache. Eine Hauptursache für die anhaltende strukturelle Armut der Kakaobäuer*innen sind niedrige Kakaopreise, aufgrund derer die meisten von ihnen kein existenzsicherndes Einkommen verdienen können.

Die Regierungen der Côte d’Ivoire und Ghana arbeiten seit 2019 zusammen, um höhere Einkommen für die Kakaobäuer*innen zu erzielen. Im Jahr 2020 wurde dafür das sogenannte Living Income Differential eingeführt, ein Preismechanismus, mit dem die Zahlung höherer Mindestpreise an die Kakaobäuer*innen ermöglicht werden soll.

Zunehmende Vernetzung der Kakaobäuer*innen

Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Herausforderungen und stärkerer Zusammenarbeit ihrer beiden Regierungen, nimmt auch der Austausch zivilgesellschaftlicher Akteure in der Côte d’Ivoire und Ghana stetig zu. Diesen Austausch fördert INKOTA im Rahmen seiner Partnerschaften mit SEND-Ghana und Inades-Formation Côte d’Ivoire.

Vom 26. bis 29. Juli 2022 fand das erste physische Vernetzungstreffen der beiden zivilgesellschaftlichen Netzwerke Plateforme Ivorienne pour le Cacao Durable (PICD) und der Ghana Civil Society Cocoa Platform (GCCP) in der Nähe von Abidjan statt. Es war ein Meilenstein für stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt des Treffens der 30 Vertreter*innen stand vor allem der Austausch über gemeinsame Herausforderungen und Möglichkeiten einer verstärkten Zusammenarbeit. Besonders intensiv diskutiert wurden dabei internationale Preismechanismen, welche die Kakaopreise maßgeblich beeinflussen.  Obed Owusu-Addai, Ko-Koordinator der GCCP und Direktor der Organisation EcoCare Ghana betont: „Das aktuelle System der Preisbildung ist nicht fair für Bäuer*innen in der Côte d’Ivoire und Ghana.“ Es berücksichtige nämlich nicht die Produktionskosten der Produzent*innen.

Eine zentrale gemeinsame Forderung der beiden Plattformen ist daher, dass die internationalen Preismechanismen, die den Kakaopreis bestimmen, so reformiert werden müssen, dass für Kakaobäuer*innen ein existenzsicherndes Einkommen möglich ist. Insgesamt wurden zu vier thematischen Bereichen gemeinsame Forderungen gegenüber Politik und Industrie in den Anbau- und Konsumentenländernaufgestellt, zu deren Erreichung die beiden Plattformen zukünftig stärker zusammenarbeiten werden:

  1. Existenzsichernde Einkommen: u.a. Forderung nach einer Reform der Preismechanismen auf dem Kakaomarkt, die die Produktionskosten des Kakaos mitberücksichtigen; sowie auf nationaler Ebene mehr Transparenz bei der Festlegung der Mindestpreise für Kakao
  2. Entwaldung und nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen: u.a. Forderung nach Einführung eines nationalen Systems zur Waldüberwachung zur Kakaorückverfolgbarkeit und Überwachung von Entwaldung; sowie einer Überarbeitung der nationalen Regulierungen von Pestiziden in Ghana und der Côte d’Ivoire
  3. Menschenrechte und Kinderarbeit: u.a. Empfehlung, die Definition von Kinderarbeit anzupassen, der den Aspekt des grenzüberschreitenden Menschenhandels stärker berücksichtigt
  4. Governance/Transparenz des Sektors: Forderung, Bedingungen für die Gründung einer nationalen, repräsentativen Vertretung von Kakaobäuer*innen; angemessene Vertretung und Partizipation von Bäuer*innen in relevanten Entscheidungsprozessen

Hier die gesamte Erklärung lesen


Zukünftig wollen die ivorischen und ghanaischen Plattformen stärker zusammenarbeiten, auch über ihre Grenzen hinaus – Ziel ist ein westafrikanisches zivilgesellschaftliches Netzwerk zu Kakao. Mit einer starken, gemeinsamen Stimme soll gegenüber Politik und Industrie den Forderungen der westafrikanischen Kakaobäuer*innen Gehör verschafft werden.

Gefördert durch das Globalvorhaben Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, von der GIZ mit Mitteln der Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Herausgeber. Die hier dargelegten Ansichten spiegeln nicht der Geberorganisation wider.

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