Deichmann, Kik & Co.

Eine Branche in die Pflicht nehmen

Die Modebranche ist einer der größten Industriezweige der Welt und gilt als Beispiel par excellence für globalisierte Lieferketten und Wertschöpfungsnetzwerke. Mit der beschleunigten Globalisierung sind transnational agierende Modeunternehmen zu immer mächtigeren Akteuren geworden. Herstellern und Händlern von Textilien und Schuhen kommt somit eine besondere Macht zu - und die Verantwortung, ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachzukommen. Doch Armutslöhne, Gewerkschaftsunterdrückung, Umweltschäden und Gefahren für Leib und Leben sind in der Modebranche noch viel zu häufig Normalität.

Dass Unternehmen zur Achtung der Menschenrechte in ihrer gesamten Geschäftstätigkeit verpflichtet sind, hat die UNO 2011 in den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte festgeschrieben. Dies betrifft also explizit auch Tochter- oder Zulieferunternehmen. Wie genau Bekleidungs- und Schuhunternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen können, hat die OECD in ihren Leitlinien detailliert erklärt.

Die Modebranche ist einer der größten Industriezweige der Welt und gilt als Beispiel par excellence für globalisierte Lieferketten und Wertschöpfungsnetzwerke. Mit der beschleunigten Globalisierung sind transnational agierende Modeunternehmen zu immer mächtigeren Akteuren geworden. Herstellern und Händlern von Textilien und Schuhen kommt somit eine besondere Macht zu - und die Verantwortung, ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachzukommen. Doch Armutslöhne, Gewerkschaftsunterdrückung, Umweltschäden und Gefahren für Leib und Leben sind in der Modebranche noch viel zu häufig Normalität.

Dass Unternehmen zur Achtung der Menschenrechte in ihrer gesamten Geschäftstätigkeit verpflichtet sind, hat die UNO 2011 in den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte festgeschrieben. Dies betrifft also explizit auch Tochter- oder Zulieferunternehmen. Wie genau Bekleidungs- und Schuhunternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen können, hat die OECD in ihren Leitlinien detailliert erklärt.

Den Markenunternehmen und Schuhhändlern muss klar sein, welche Auswirkungen ihre Geschäfte auf Frauen und Männer haben, die in armen Verhältnissen leben und sich schlecht wehren können. Die großen Firmen machen sehr viel Profit. Sie müssen ihre Lieferketten nachverfolgen und sicherstellen, dass unter guten Bedingungen für sie gearbeitet wird.
Gopinath Parakuni
Leiter unserer indischen Partnerorganisation CIVIDEP

Es gibt daher nicht zufällig besonders in der Bekleidungsindustrie zahlreiche Initiativen, die Modeunternehmen dabei unterstützen, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen. Unternehmen können Netzwerken beitreten, um dort gemeinsam mit anderen Unternehmen – oder noch besser auch gemeinsam mit Gewerkschaften und Zivilgesellschaft – an der besseren Durchsetzung der Menschenrechte in ihren Lieferketten zu arbeiten. Mit Siegeln können Hersteller und Handel die Kleidung und Schuhe auszeichnen, die unter besonders ökologisch sinnvollen und fairen Bedingungen gefertigt wurden. Einige Initiativen sind dabei effektiver als andere, die nur auf dem Papier wirken. Wir von INKOTA sind Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien und im Expert*innenboard der Fair Wear Foundation.

Doch immer wieder zeigen Studien und gravierende Fälle von Menschenrechtsverletzungen in den Medien, dass diese freiwilligen Initiativen keine ausreichende Wirkung erzielen. Noch viel zu häufig fehlt in der Branche die notwendige Transparenz, die eine effektive öffentliche Kontrolle erst möglich macht. Weder die Arbeiter*innen in Zulieferfabriken wissen, für welche Marke sie eigentlich produzieren. Noch wissen die Konsument*innen, wer ihre Kleidung und Schuhe wo unter welchen Bedingungen herstellt. So wird in der Modebranche Greenwashing möglich – ohne, dass Menschen und Umwelt effektiv geschützt werden. Regierungen weltweit müssen deshalb Regeln erlassen, die Menschenrechte durchsetzen. Hier ist vor allem die Bundesregierung gefordert – schließlich gehört Deutschland zu den wirtschaftlich mächtigsten Staaten der Welt.

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Ein Blick in ein typisches Vorstandsbüro, wo eine Imagekampagne hilft, sich die Welt SCHÖNer zu FÄRBEN! Ein Spot der Kampagne für Saubere Kleidung mit Steffen Groth & Michael Lott.

Wo Modeunternehmen versagen

2021: Schuhunternehmen während der Corona-Krise

Extreme Einkommensverluste, fristlose Kündigungen, Verschuldung, kaum soziale Sicherungssysteme – im Zuge der Covid-19-Pandemie ist die Sicherung der Lebensgrundlage der Arbeiter*innen der indischen Schuh- und Lederproduktion noch stärker gefährdet als zuvor. Das belegt unsere Studie "Wenn aus zu wenig fast nichts wird". Die Studie enthält auch Empfehlungen an Unternehmen zur Einhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten besonders in der Krise. Beispielsweise sollen die global operierenden Schuhunternehmen, die auf dem deutschen Markt tätig sind

  • nachhaltige Einkaufspraktiken umsetzen
  • Expertise im eigenen Unternehmen dazu weiter auf- und auf gar keinen Fall abbauen
  • Zulieferunternehmen unterstützen, damit Arbeiter*innen z.B. Lohnfortzahlungen erhalten und ihre Interessenvertreter*innen eingebunden werden
  • OECD-konforme Beschwerdemechanismen etablieren
  • Die Themen Löhne, Gewerkschaftsfreiheit und Beschäftigungsverhältnisse gemeinsam mit anderen Unternehmen zum Beispiel in Multi-Stakeholder-Bündnissen vorantreiben
2020:Modeunternehmen während Corona-Krise

Die COVID-19-Pandemie hat auch die Lieferketten der Textilindustrie hart getroffen. Vor allem: die Textilarbeiter*innen in den Produktionsstätten im globalen Süden. Dies dokumentiert der Synthesebericht „Auswirkungen von COVID-19 auf die Textilindustrie“. Der Bericht enthält auch Empfehlungen an Unternehmen zur allgemeinen Einhaltung von Sorgfaltspflichten und ihrer besonderen Einhaltung während einer Krise. Diese orientieren sich beispielsweise an den ‚UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte‘ und den ‚Leitsätzen für verantwortungsvolle Einkaufspraktiken in Zeiten von COVID-19‘ des Bündnisses für nachhaltige Textilien.
Die allgemeinen Empfehlungen für die Erfüllung der menschenrechtlichen Sorgfalt in der Krise sind:

  • Einhaltung aller Gesetze und vertraglichen Vereinbarungen
  • Teilen von Kosten und Risiken – diese dürfen nicht auf die Arbeiter*innen abgewälzt werden
  • Verantwortungsvoller Rückzug
  • Offenlegung auch in der Krise
  • Erhalt von Nachhaltigkeitskapazitäten
2019: Prüfunternehmen in die Pflicht nehmen!

Zahlreiche Maßnahmen und Siegel in der Bekleidungsindustrie beruhen auf Vor-Ort-Prüfungen der Fabriken – sogenannten Sozialaudits. Die Kampagne für Saubere Kleidung hat einen umfassenden Bericht über die Arbeit der Prüfbranche in der Textilindustrie vorgelegt. Demnach lassen sich die sogenannten Sozialaudits wie TÜV Rheinland, Bureau Veritas und RINA stark von den Interessen der Unternehmen leiten, die sie beauftragen, anstatt verlässliche Prüfungen vorzunehmen. Bei der Vorbeugung von Katastrophen wie dem Gebäudeeinsturz von Rana Plaza (2012), dem Fabrikfeuer von Ali Enterprises (2013) oder der Kesselexplosion in der Multifabs-Fabrik (2017) mit tausenden Toten und Verletzten haben die kommerziellen Prüforganisationen versagt.

2019: Firmencheck Existenzlöhne in der globalen Modebranche

Seit Jahren versprechen Modefirmen, dass sie sich gegen Hungerlöhne in der Kleiderproduktion einsetzen wollen – doch echte Fortschritte gibt es kaum. Die Kampagne für Saubere Kleidung hat in ihrem "Firmencheck 2019" 45 der wichtigsten europäischen Marken daraufhin untersucht, ob die Näher*innen tatsächlich einen Lohn zum Leben erhalten. Zumindest bei zwei der befragten Firmen fanden sich Anhaltspunkte dafür, dass zumindest einem Teil der Beschäftigten in der Produktion ein existenzsichernder Lohn gezahlt wird.

2018: H&M: Existenzlohn-Versprechen gebrochen

Im November 2013 versprach H&M öffentlich, bis 2018 in allen ‘Gold’- und ‘Platin’-Fabriken seiner ‘strategischen und bevorzugten Lieferanten’ Vergütungsstrukturen zu schaffen, die die Bezahlung von "fairen Existenzlöhnen" für 850.000 Angestellten ermöglichen. Mit dem Ablaufen der Fünf-Jahres-Frist führte die Clean Clothes Campaign Recherchen durch um zu überprüfen, wie viel die Arbeiter*innen in einigen dieser Zulieferbetriebe verdienen und wie nah dieser Verdienst einem existenzsichernden Lohn kommt.
Das erschütternde Ergebnis der Untersuchung: Keine*r der interviewten Arbeiter*innen verdient ansatzweise einen existenzsichernden Lohn!
Die befragten Arbeiter*innen in Indien und der Türkei verdienten ein Drittel eines Lohns, der als existenzsichernd gilt; in Kambodscha ist es weniger als die Hälfte. Die Interviewten in der bulgarischen von H&M als ‘Gold’-Zulieferer ausgezeichneten Fabrik erhielten in regulärer Arbeitszeit sogar weniger als zehn Prozent eines existenzsichernden Lohns.

2017: Auch Banken haben eine Verantwortung!

Auch Banken müssen die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und die entsprechenden OECD-Leitsätze umsetzen. Sie müssen angemessene und wirksame Abhilfemaßnahmen treffen, wenn Menschenrechte verletzt werden. Deshalb müssen Banken von Schuhherstellern einfordern, dass sie ihre Lieferketten und die entsprechenden Überprüfungsberichte offenlegen sowie soziale und ökologische Standards einhalten, bevor sie mit ihnen Finanzierungsverträge abschließen. In der Studie "Auf leisen Sohlen" analysierte die deutsche NGO Facing Finance im Auftrag von Change Your Shoes die Finanzbeziehungen von 23 europäischen Schuhunternehmen zu 23 europäischen Finanzdienstleistern im Zeitraum Juni 2012 bis Juni 2016.

2017: Appell an Deichmann und Birkenstock - Transparenz statt Versteckspiel

Mehr als 13.000 Menschen unterstützten unsere Forderung an Deichmann, Birkenstock sowie an andere Schuhunternehmen: Berichten sie transparent über die Einhaltung der Menschenrechte als auch über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, besonders bei der Verwendung von hochgiftigen Chemikalien. Deichmann und Birkenstock haben die Petition persönlich von uns entgegengenommen. Inzwischen hat die Schuhbranche reagiert und konkrete Schritte angekündigt. Wir engagieren uns weiter im Dialog mit den Unternehmen.

2017: How to do better: Gute Praktiken in der Schuh- und Lederindustrie

Mit dem Bericht "How to do better" stellen wir Beispiele guter Praktiken, nachhaltiger Alternativen und innovativen Vorgehen aus der Schuh- und Modeindustrie vor. Wir machen darin aber weder Kaufempfehlungen, noch eine Bewertung oder ein Ranking der untersuchten Markenunternehmen.

Entscheidend für die Auswahl an "guten Praktiken" war, ob die untersuchten Maßnahmen Verbesserungen in diesen Bereichen bewirkten: Arbeitsbedingungen, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, Vereinigungsfreiheit, Umweltschutz sowie Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Lieferkette.

2012: Der Fall KiK und Ali Enterprises

Das Textilunternehmen KiK wurde rechtlich nicht für seine Mitverantwortung am mangelnden Brandschutz und damit am Tod von 258 Menschen in Pakistan verurteilt. Es fehlte eine starke Rechtsgrundlage. Dennoch gelang es uns nach der Tragödie von Ali Enterprises Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen und Verletzten durchzusetzen. Kik trat dem Bündnis für nachhaltige Textilien bei und kommt seinen menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten seither wesentlich stärker nach.

Factsheet
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Factsheet „Wenn aus zu wenig fast nichts wird“
Erhebung über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf indische Arbeiter*innen der Schuh- und Lederherstellung
Factsheet
Factsheet „Wenn aus zu wenig fast nichts wird“
Erhebung über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf indische Arbeiter*innen der Schuh- und Lederherstellung
Das 6-seitige Factsheet fasst die Ergebnisse der Studie „Wenn aus zu wenig fast nichts wird“ zusammen. Es zeigt die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Einkommens- und Lebenssituation der Arbeiter*innen in indischen Schuh- und Lederfabriken auf. Extreme Einkommensverluste, fristlose Kündigung...

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